Von Beginn an haben zwei Erfahrungen die Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes geprägt. Erfreulich ist, dass in der vergangenen Woche das Treffen von 137 lutherischen Kirchen mit einem ökumenischen Gottesdienst ausgerechnet in der katholischen Kathedrale von Winnipeg eröffnet wurde. Gleichzeitig ereignete sich Beschämendes: fast jeder zehnte Kirchenvertreter hatte kein Visum erhalten. Davon betroffen waren ausschließlich Delegierte aus dem Süden. Frauen und Männer der ärmsten Nationen konnten deshalb nicht am Kirchentreffen teilnehmen. Kanadas Regierung verdeutlicht mit dem Entscheid einen haarsträubenden Trend, der auch wirtschaftlich sich immer deutlicher abzeichnet: die Ausgrenzung des armen Südens.
Walter Achleitner
Waffenstarr
Die Welt schaut mit Schaudern zu. Die USA zeigen Fotos von den getöteten Söhnen Husseins. Saddam Hussein, der besiegte Diktator des Iraks selbst, wird noch gejagt. Aber es lässt sich ausmalen, was wir zu sehen bekommen, wenn auch er – tot oder lebendig – gefasst wird. Keine Frage, das Hussein-Regime war eines der grausamsten und menschenverachtendsten unserer Zeit. Erinnern sollten wir uns dennoch der Begründungen, mit denen der Krieg von den US-Amerikanern und ihren Verbündeten gerechtfertigt wurde: Eingreifen gegen angebliche Massenvernichtungswaffen des Irak. Lassen wir uns durch all die Bilder nicht weglocken von der Frage: Wenn diese Waffen unauffindbar bleiben, was bleibt von der Rechtfertigung der Kriegsbefürworter übrig? – Die Waffen der Propaganda wirken ebenfalls vernichtend!