Gabriel Kassab achtet nicht auf die Religion, wenn ihn jemand um Hilfe bittet. Deshalb wird der Erzbischof aus Basra am 15. August in Salzburg mit dem Toleranzpreis 2003 geehrt.
„Egal was passiert, ich werde hier bleiben und so lange helfen, so lange ich es kann. Ich werde der Letzte sein, der Basra verlässt“, hatte Gabriel Kassab noch kurz vor dem Irak-Krieg gesagt. Als die Bomben dann fielen, machte der chaldäisch-katholische Erzbischof ernst aus seinen Worten. Er öffnete die Türen der Kirche für alle, die darin Zuflucht suchen wollten. Und es kamen so viele, dass im Westen die Meldung kursierte, Schiiten hätten seine Kathedrale besetzt. Dabei hilft Mar Djibrail ausnahmslos allen Bedürftigen, ohne auf die Religion zu schauen. Und so war seine Armenapotheke im Bischofshaus denn auch in der 1,5-Millionen-Stadt die einzige, die während des Krieges immer geöffnet hatte. Als dann noch der Fahrer ausfiel, der die restlichen Lebensmittel verteilte, steuerte Kassab den Kleinbus durch Basra.
Besonders schwer getroffen hat den bescheidenen Erzbischof, dass der Krieg zu einem Zeitpunkt kam, als sein Bemühen um Toleranz begonnen hatte Früchte zu tragen. Seine Befürchtung, die rund 1000 christlichen Familien Basras würden den Preis für den Krieg bezahlen, wurde traurige Wahrheit. Da kommt der Toleranzpreis 2003, mit dem die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste Gabriel Kassab wenige Tage nach dessen 67. Geburtstag ehrt, zum richtigen Zeitpunkt. Vor allem aber braucht Mar Djibrail die mehreren hundert Kilogramm Medikamente jetzt sehr dringend, die mit dem Preis verbunden sind.