Seit jeher waren Berggipfel Orte, an denen sich die Menschen Gott näher fühlten. Das Alte Testament nennt viele Berge, auf denen Gott den Menschen begegnet ist: der Gottesberg Horeb, der Berg Nebo, wo Gott dem Mose vor seinem Tode das verheißene Land zeigte. Auf einem Berg predigt Jesus vor dem Volk, auf dem Ölberg beginnt sein Leiden. Berge sind in der Bibel oft heilige Orte.
Vom Berge aus betrachtet ist die Welt zu unseren Füßen klein, der Himmel über uns hingegen ist weit. Die Perspektiven verändern sich, man findet Gedanken und Gefühle, die im Tal und in der Ebene der Alltag zugeschüttet hat. Der Berg ist ein Ort für die Begegnung mit Gott: Nicht, weil der Mensch dort geographisch dem Himmel näher ist, sondern weil er dort die Chance hat, frei zu sein von der Last und den Problemen des Alltags.
In den kommenden Wochen werden sich viele Menschen zu Bergmessen aufmachen. Zu einer Bergmesse gehört auch der Aufstieg. Er ist das bewusste Verlassen des Alltags – ein Weg, der manchmal mühsam und schwierig ist. Doch gerade hier zeigt sich das wunderbare Zusammenspiel von Geist und Körper: Die körperliche Anstrengung hilft mit, die seelischen Mühen des Alltags im Tal zu lassen, sich zu öffnen und zu befreien, um so in Gemeinschaft Eucharistie zu feiern. Beim Abstieg bleiben die Erinnerungen und Eindrücke im Gedächtnis. Von ihnen kann man zehren, wenn der Alltag wieder kommt.