Zum 60. Todestag von Franz Jägerstätter fand heuer ein Schülerwettbewerb unter dem Titel „Gegen den Strom“ statt.
„Wir waren ganz überrascht“, fasst Jägerstätter-Biografin Dr. Erna Putz ihre Freude zusammen. Gefreut hat sie sich einerseits über die Qualität der eingereichten Schülerarbeiten beim Wettbewerb „Gegen den Strom“ zum 60. Todestag von Franz Jägerstätter, andererseits über die Masse an Zusendungen. 560 Arbeiten von Schüler/innen verschiedener Schulstufen waren eingelangt und machten der Jury die Entscheidung schwer.
Im Rahmen des Jägerstättergedenkens wurden vergangenen Samstag in Ostermiething die Preisträger/innen ausgezeichnet. Im Bereich der Pflichtschulen war in den Kategorien Aufsatz und Bildnerisches Gestalten einzureichen, für die Höheren Schulen – in Zusammenarbeit mit dem Religionspädagogischen Institut – kam noch die Kategorie IT-Bearbeitung (Homepage, Quiz, Powerpoint-Präsentation) hinzu. Die ersten Preisträger werden nach Berlin und Brandenburg reisen, wo Franz Jägerstätter hingerichtet wurde.
In der Kategorie Bildnerisches Gestalten überzeugten die Schüler/innen des Stiftergymnasiums in Linz. Den ersten Preis errang Eva Keimelmayr mit ihrem Werk „Staatlich gefördert“ (siehe Bild), gefolgt von Magdalena Söllradl, Franziska Schweiger und Carlos Prandstätter. Im IT-Bereich entschied sich die Jury für eine von Emmanuel Dammerer und Matthias Danzmayr (Kollegium Aloisianum Linz) gestaltete Homepage.
Brief an Franziska Jägerstätter
Der Hauptpreis im Aufsatzwettbewerb ging an Julia Hofmann aus der vierten Klasse der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik der Don Bosco Schwestern in Vöcklabruck. Bei der Preisverleihung las sie aus ihrem Brief an Franziska Jägerstätter, in dem es unter anderem heißt: „Sehr geehrte Frau Jägerstätter! (...) An Ihrer Stelle wäre ich wahrscheinlich zu Beginn irrsinnig wütend und könnte nicht verstehen, wie Ihnen Ihr Mann diese Last auferlegen kann. Es ist ja nicht nur, dass er Sie mit Ihren Kindern alleine lässt, zusätzlich kommen noch die Schwierigkeiten, die die Öffentlichkeit nach solch einem Skandal machen wird. (...) Ich bin dennoch ganz sicher, dass Franz Sie innigst geliebt hat und meiner Meinung nach können Sie stolz sein, einen solchen Gatten geschenkt bekommen zu haben. Aus meiner Sicht ist nicht die Dauer einer Beziehung das Ausschlaggebende, sondern die Intensität. (...) Denken Sie in Ihrem Leid auch daran, dass Ihr Gatte ein wichtiges Vorbild für alle Christen der Zukunft werden kann. Er hat uns beispielhaft vorgelebt, was es bedeutet, wirklich an den Herrn zu glauben und nicht nur einen oberflächlichen Glauben vorzutäuschen. (...)“
Um den Christen Franz Jägerstätter als Vorbild vorzustellen, hat die Diözese Linz vor einigen Jahren das Seligsprechungsverfahren eingeleitet. Bischof Maximilian Aichern konnte im Rahmen des Jägerstätter-Gedenkens von Fortschritten berichten. Damit kann das Verfahren in Rom in die nächste Phase treten. Die vielen eingesandten Arbeiten des Schülerwettbewerbes zeugen von der großen Resonanz, die Franz Jägerstätter bei jungen Menschen auslöst, weil – wie Christoph Kardinal Schönborn am Rande des Jägerstättergedenkes meinte, „er gegen den Strom geschwommen ist und mutig eine ganz schwere persönliche Gewissensentscheidung getroffen hat.“ Kardinal Schönborn war für die heilige Messe am Abend des Jägerstättergedenkens angereist.