Seit einigen Tagen höre und lese ich nichts mehr von einem Freund, der zur Zeit in New York lebt. Keine Telefonate. Keine E-Mails. Er hat wohl andere Sorgen. Vielleicht hat er beim Kartenspielen im Kerzenschein erstmals seine Nachbarn kennen gelernt. Oder er ist in der U-Bahn mit Menschen in Kontakt gekommen, mit denen er sonst kaum ein Plauscherl gewagt hätte?
Was 22 stromlose Stunden bewirken können: Millionen Menschen gehen (unfreiwillig) zu Fuß, Kommunikation findet wieder direkt statt, weil der Nabel der Welt ohne Stromnetz abgeschnitten ist. Und das passiert ausgerechnet der Supermacht USA. Interessant, was ans Tageslicht kommt, wenn 50 Millionen Menschen plötzlich im Dunkeln leben: Das US-Stromnetz hat das Niveau eines Entwicklungslandes. Die Gründe sind vielschichtig: Einer ist die Liberalisierung des Stromnetzes. Mit der Folge, dass private Anbieter wenig in die Verbesserung des Stromnetzes investieren, um möglichst schnell möglichst viel Profit zu machen.
Da fängt das Alarmlicht zu blinken an. War die Privatisierung öffentlicher Dienstleistungen (wie Strom - und Wasserversorgung) nicht gerade heiß umkämpftes Thema im Zuge der GATS-Verhandlungen? Nicht ganz zu unrecht wie das Beispiel USA zeigt, auch wenn das europäische Stromnetz (noch) um Klassen besser ist. Ohne streng kontrollierte Auflagen von Seiten des Staates kann vieles den Bach runtergehen oder sogar ein Volk im Dunkeln leben . Möglicherweise brauchen die USA da ein wenig Entwicklungshilfe . . .