Drei Jahre hat Daniel Seller in Liberia bereits gelebt, um den Menschen nach einem Krieg zu helfen. Sechs Jahre später geht er wieder in das Land, um bei Null zu beginnen. „Nur jetzt ist es um eine Spur schlimmer.“
„Irgendwie ist es schon frustrierend, zweimal in ein Land zu kommen und immer bei Null zu beginnen“, meint Daniel Seller. Seit dieser Woche ist er für die Caritas in Liberias Hauptstadt Monrovia tätig. „Aber wenn man die Fernsehbilder sieht, fragt man sich ständig: Was kann ich tun?“ Ganz gewiss hilft ihm nach sechs Jahren in das westafrikanische Land zurückzugehen, eine emotionale Bindung. Der Wiener war von 1994 bis 1997 für das damals größte UN-Hilfsprojekt für interne Flüchtlinge in Liberia zuständig. „Ich denke an die ehemaligen Kollegen und Freunde – da überwiegt das Gefühl, nicht so schnell aufzugeben.“ Damals war es ihm gelungen, in nur sechs Monaten 13.000 entwaffnete Krieger in 158 Kleinprojekten zu beschäftigen. Liberia ist für den 35-Jährigen ein weiterer Hilfseinsatz. Zwar arbeitet er an seiner Doktorarbeit über Alternativmethoden der humanitären Hilfe. Dabei wird er jedoch immer wieder von Katastrophen unterbrochen. Seine größte Aufgabe war im Kosovo, wo er für die US-Caritas die Verteilung der Hilfsgüter an 400.000 Menschen leitete. Zuvor machte er in Mazedonien eine wichtige Erfahrung: Als Jude leitete er für die katholische Caritas ein Flüchtlingslager für 30.0000 Moslems. Dass sich Daniel Seller immer wieder für Flüchtlinge engagiert, ist auch Teil seiner Familiengeschichte: Beide Eltern waren selber auf der Flucht. Walter AchleitnerMehr zum Thema: Seite 7