Jedem Politiker kann einmal ein unglücklicher Satz über die Lippen rutschen, entschuldigte ein Wohlmeinender Elisabeth Gehrers Äußerung zum Thema Jugend, Diskotheken und Kinderkriegen. Weil in der Politik unglückliche Äußerungen selten als solche eingestanden werden – und weil der Mund, dem die betreffende Äußerung entschlüpfte, jener der Bildungsministerin ist, versuchte man diese als den Auftakt einer Wertediskussion zu verkaufen.
Eine solche ist freilich angebracht. Wo liegt der Grund dafür, dass Jugendliche, wie es der Ministerin zuwider ist, in Diskotheken herumhängen? Wer macht die Geschäfte damit? Die Erwartungen an Jugendliche von heute wurden in der Tat in den letzten Jahren sehr hoch geschraubt. Möglichst rasch und zielgerichtet sollen sie in ihre Berufe einsteigen. Möglichst schnell sollen sie ihr Studium beenden. Und möglichst rasch sollen sie – kommt jetzt hinzu – auch noch Familien gründen. Alles Dinge, für die man den Generationen zuvor noch erheblich mehr Zeit zugebilligt hat. In bestehende Pensionen soll nicht eingegriffen werden, wurde bei der Pensionssicherungsdebatte immer wieder betont. Die Jugend soll freilich ihren Beitrag zahlen.
Letztlich soll die Jugend auf ihre Jugend verzichten.Die Motive, aus denen ein Staat zum Kinderkriegen aufrief, waren noch nie sonderlich lauter. Soldaten sollten Mütter einst gebären – und jetzt also Pensionszahler. Kinder – sie sind eine Frucht der Liebe, hat es einmal geheißen, nicht der Berechnung.