Ein Zehntel der Wahlberechtigten bei den kommenden Wahlen sind Erstwähler
Ausgabe: 2003/36
02.09.2003
- Heinz Niederleitner
Der September bringt Landtags- und Gemeinderatswahlen in Oberösterreich. Junge Wähler sind diesmal eine besonders umschwärmte Zielgruppe im Wahlkampf.
Aus Landeshauptmann „Dr. Joe“ Pühringer wurde Daddy Cool, die SPÖ schickt die 23-jährige Jasmine „Jazz“ Chansri in James-Bond-Manier ins Rennen, für die FPÖ startet Andreas Rabl als Jugendkandidat und die Grünen touren mit der „WählBAR“ durchs Land: Als Jugendliche/r fühlt man sich von der Politik derzeit sehr begehrt: egal, ob man am Badesee liegt oder im Internet surft.
„Wahlen sind der beste Zeitpunkt für Jugendliche, sich ein Bild von der Politik und den Parteien zu machen“, meint Grünen-Chef Rudi Anschober. Doch das Interesse der Parteien an Jungendlichen kommt nicht von ungefähr: 103.000 Wahlberechtigte sind zu den kommenden Wahlen zum ersten Mal zugelassen, immerhin rund zehn Prozent aller Wahlberechtigten.
Partys statt Kinder?
Mit ihrem „Partys statt Kinder“-Sager hat Bundesministerin Elisabeth Gehrer eine Wertediskussion losgetreten. Wenn die Jungen zu wenig Kinder zeugen, wer sichert dann die Pensionen? Auch wenn Jugendliche und junge Erwachsene nicht allzu bald ans Kinderkriegen denken, halten doch 59 Prozent der Oberösterreich im Alter zwischen 11 und 25 Jahren die Absicherung der Pensionen für ein wichtiges Thema. Das geht zumindest aus der im März im Auftrag des Landes Oberösterreich durchgeführten Studie hervor.
Ob Jugendliche mit der Politik etwas anfangen können und wie sie selbst mitwirken wollen, steht jedoch auf einem anderen Blatt. Insbesondere ÖVP und Grüne betonen, dass Jugendlichen mehr Beteiligung bei politischen Entscheidungen, z. B. als Jugendgemeinderäte, eingeräumt werden müsse. Mit der ausdrücklichen Forderung nach einer Wahlaltersenkung auf 16 Jahre sind die Grünen alleine. Immerhin 20 Prozent der oö. Jugendlichen können sich eine aktive Mitarbeit bei der Vertretung ihrer eigenen Anliegen vorstellen. Ansonsten hängt das aktive Engagement stark vom Thema ab: Sport-, Freizeit- und Umweltprojekte sind attraktiver als Budget- und Verkehrsplanung.
Interessante Themen?
Mit mehr oder minder interessanten Themen versuchen die Parteien Jugendliche auch als Wähler für sich zu gewinnen. Die „Sicherung bestehender Arbeitsplätze“ (78 Prozent) und „Programme gegen die Jugendarbeitslosigkeit“ (64 Prozent) stehen ganz oben auf der Liste der Themen, die Jugendliche wichtig finden. Arbeitslosigkeit bzw. Berufschancen sind auch zentrale Themen in den Jugendkampagnen von VP, FP und Grünen.
Ein großer Wunsch ist für zwei Drittel der Jugendlichen eine gute Ausbildung. Entsprechend haben Volkspartei, Sozialdemokraten und Freiheitliche Bildungsthemen ganz groß auf ihre Fahnen geheftet. Auch die Grünen halten Verbesserungen im Ausbildungsbereich für dringend notwendig. Einen eigenen ökologischen Schwerpunkt hat die ursprüngliche Öko-Partei aber überraschenderweise nicht in der Jugendkampagne – für dieses Thema macht sich dafür die Junge Volkspartei stark.
Die Drogenproblematik greifen einzig die Freiheitlichen auf. Neben konsequenter Verfolgung von Dealern fordern sie u. a. verstärkte Jugendarbeit und sprechen sich klar gegen eine Freigabe weicher Drogen (wie Haschisch) aus. Eine solche Freigabe halten aber ohnehin nur 11 Prozent der oö. Jugendlichen für ein wichtiges Thema. Neben der Bildung steht bei der SPÖ ein 500-Euro-Zuschuss vom Land für die erste Wohnung und ein internationales Konzertfestival auf dem Forderungskatalog.
Letztlich wird nach dem 28. September interessant sein, was von der enormen Zuneigung der Parteien zu den Jugendlichen geblieben ist. Immerhin 42 Prozent dieser Altersgruppe halten es für wichtig, dass die Politik auf ihre Bedürfnisse eingeht. Und das wohl nicht nur im Vorfeld von Wahlen.