Die anhaltende Hitze im heurigen Sommer hat in Frankreich Tausenden alten Menschen das Leben gekostet, weil sie die notwendige ärztliche und pflegerische Betreuung nicht bekommen haben. Viele sind vergessen in ihren Wohnungen gestorben, andere konnten von einem völlig überforderten Personal in den Heimen nicht entsprechend aufmerksam betreut werden. Die Regierung kam wegen ihres Sparkurses im Sozialbereich massiv unter Druck. Er hat die schon lange bekannten Probleme verschärft.
Auch bei uns warnen Wohlfahrtsverbände seit Jahren vor einem Pflegenotstand. Die Zahl der Pflegebedürftigen wächst. Und auf die Pflegstationen kommen immer mehr „schwere Fälle“, die von den Angehörigen trotz mobiler Dienste nicht mehr betreut werden können. Das Pflegepersonal aber wird in vielen Einrichtungen dennoch nicht aufgestockt. Oder man behilft sich mit weniger gut ausgebildeten und daher billigeren Hilfskräften. Wer mit Krankenschwestern oder Altenhelferinnen spricht, die im stationären Bereich tätig sind, hört sehr oft dieselbe Klage: Mit den Zeitvorgaben, die wir haben, können wir uns den alten Menschen nicht so widmen, wie es notwendig wäre.
Der Pflegeskandal im Geriatriezentrum Lainz mag eine Ausnahme sein. Dass man jahrelang Beschwerden nicht ernst genommen hat, fällt zunächst auf die unmittelbar Verantwortlichen zurück. Dass man sich aber seit Jahren taub stellt, wenn es darum geht, entsprechende Qualitätsstandards für Unterbringung, Pflege und Ausbildung des Personals für alle österreichischen Alteneinrichtungen sicherzustellen, das ist keine Wiener Spezialität. Ob das jetzt anders wird? Ich fürchte Nein.