Das gute ökumenische Klima in Österreich könnte helfen, im Konflikt zwischen Moskau und Rom zu vermitteln. Der Besuch von Metropolit Kyrill in dieser Woche in Wien gilt als Signal.
Als „kluger Redner, energischer und belesener Kirchenmann“ wird Metropolit Kyrill von Smolensk und Kaliningrad beschrieben. Was Vladimir Mikhailovich Gundyaev, wie Kyrill mit bürgerlichem Namen heißt, in dieser Woche in Wien beweisen wird. Denn auf Einladung von Pro Oriente wird der Leiter des Außenamtes im Moskauer Patriarchat die „Sozialdoktrin der russisch-orthodoxen Kirche“ vorstellen. Unter seiner Leitung ist in sechsjähriger Arbeit das Konzept, vergleichbar mit der katholischen Soziallehre, entstanden. Eine Lehre, die „von besonderer Bedeutung für die gesamte Kirchengeschichte in Russland“ ist, wie der einflussreichste Hierarch nach Aleksij II. unlängst sagte. In der Nachfolge des Patriarchen, der seit seinem Herzinfarkt vor gut einem Jahr immer wieder schwer erkrankt, gilt Kyrill als aussichtsreicher Anwärter.
Es waren nicht nur Terminprobleme, dass Metropolit Kyrill erst jetzt darüber spricht, was im Jahr 2000 vom Heiligen Synod verkündet wurde. Nach dem Konflikt mit dem Vatikan um die katholischen Diözesen in Russland unterstreicht sein Kommen erneut die Rolle, die er Österreich einräumt. Erst vor kurzem wurde einer seiner engsten Mitarbeiter, Hilarion Alfejew, zum Bischof in Wien ernannt. Dabei macht Kyrill kein Geheimnis daraus, dass das Klima zwischen beiden Kirchen schlecht ist: „Wenn man von einer Blütezeit der Beziehungen spricht, so fiel sie – so merkwürdig das auch klingen mag – in die Sowjetzeit.“