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Die Freude an Kakteen

Dr. Alfred Habichler über Chancen und Grenzen des Religionsunterrichts
Ausgabe: 2003/38, Habichler, Kakteen, Religionsunterricht, Religion, RPA
16.09.2003
- Kirchenzeitung der Diözese Linz
Dr. Alfred Habichler (geboren 1953) ist der neue Direktor der Religionspädagogischen Akademie der Diözese Linz und für die Ausbildung von Religionslehrer/innen für Volks- und Hauptschulen verantwortlich. Nach theologischen und philosophischen Studien in Linz, München und Tübingen wurde er 1979 zum Priester geweiht. Zwölf Jahre war er Hochschulseelsorger an der Katholischen Hochschulgemeinde in Linz. Seit mehr als fünfzehn Jahren lehrt er an der Pädagogischen Akademie des Bundes in Linz und an der Religionspädagogischen Akademie. Die Pfarre Garsten betreut er seit 1997 als Moderator.

Neben seinen beruflichen Verpflichtungen gilt Habichlers besonderes Interesse der Philosophie. Für die Lehrerausbildung hat den Kurs „Philosophieren mit Kindern“ entwickelt, über die Grenzen Oberösterreichs hinaus ist auch als Erwachsenenbildner mit seinen philosophischen Spaziergängen bekannt.

Zu seinen Hobbys zählen Wandern und Bergsteigen. Er spielt auch Gitarre und Violine.




Mit September 2003 hat Dr. Alfred Habichler die Leitung der Religionspädagogischen Akademie der Diözese Linz übernommen und ist für die Ausbildung der Religionslehrer/innen in Volks- und Hauptschulen zuständig.

Die Kirchenbindung der Leute nimmt ab, auf die Teilnahme am Religionsunterricht hat das aber kaum Auswirkungen. So gut wie alle Kinder nehmen am Religionsunterricht teil. Wie ist das zu erklären?

Habichler:
Für mich ist das ein Zeichen für die gute Qualität des Religionsunterrichts. Zudem macht sich die gründliche Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer bei uns bezahlt. In Deutschland etwa hat in manchen – auch in den alten – Bundesländern der Religionsunterricht einen schwereren Stand auf Grund einer weniger spezifischen Ausbildung.Dem Religionsunterricht kommt möglicherweise auch jene „Religionsfreudigkeit“ zu Gute, die sich heute neu in der Gesellschaft zeigt. Und die Offenheit für Rituale und Feste lässt sich in der Schule manchmal besser nutzen als für das pfarrliche Leben, wo immer – das muss man klar sagen – eine gewisse Schwelle da ist.

Wie schaut Ihrer Meinung nach in diesem gesellschaftlichen Umfeld ein guter Religionsunterricht aus?

Habichler:
Guter Unterricht schenkt Kindern die Erfahrung, dass sie wertvoll und in Gott geborgen sind. Dabei wird versucht, alle Sinne anzusprechen. Wichtig ist dabei nur, dass man nicht bei der äußeren Erfahrung stehen bleibt, sondern sie auf eine religiös-symbolische Ebene hebt. Warum soll man etwa nicht im Unterricht Brot backen, wenn man dann dieses Brot vertiefend auf Jesus und die Eucharistie hin deuten kann?

In der innerkirchlichen Diskussion wird zur Zeit verstärkt das Glaubenswissen eingefordert. Selbst nach vielen Jahren Religionsunterricht können die Kinder über den Glauben keine Auskunft geben, so der Vorwurf.

Habichler:
Es wird so getan, als ob religiöses Wissen im modernen Religionsunterricht keine Rolle spielen würde. Das ist Unsinn. Jeder Unterricht möchte auch Einsichten vermitteln – die Frage ist nur, wie und mit welchem Gewinn. Religionsunterricht sollte helfen, mich im Leben orientieren zu können und es aus dem Glauben heraus zu gestalten. Das Wort von Roger Schutz gilt auch für den Religionsunterricht: „Lebe das vom Evangelium, was du begriffen hast und sei es noch so wenig!“ Das ist mehr als Auswendiglernen.

Welche Bedeutung kommt den Religionslehrer/innen bei der Erschließung des Lebenswissens zu?

Habichler:
Lehrer und Lehrerinnen spielen bei der Vermittlung eine wichtige Rolle. Darum auch die solide Ausbildung. Es geht beim Studium um theologische und pädagogische Fähigkeiten, aber auch um Entwicklung von Persönlichkeit und Spiritualität.

Der Religionsunterricht stellt ja für die Kirche eine große Chance dar ...

Habichler:
Der Religionsunterricht schafft es als eine der wenigen Einrichtungen, über den Binnenraum der Kirche hinauszugehen. Das ist eine einmalige Möglichkeit der Begegnung mit der ganzen Breite heutigen Lebens. Dass da nicht immer alles gleich katholisch riechen kann, ist verständlich. Wir sollen in der Schule keine Heimstunden halten, sondern den Kindern eigene religiöse Orientierung und Auseinandersetzung mit Glaubensfragen anbieten. Darum ist auch Bescheidenheit angesagt, wenn man nach dem „Ertrag“ des Unterrichts fragt. Man wird in der Wüste keine Orchideen züchten, aber man darf sich freuen, wenn Kakteen blühen – manchmal gerade so schön wie eine Orchidee.

Interview: Josef Wallner
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