Privatsache, sagt man – und meint damit, was sonst niemanden etwas angeht. Mit wem man seine persönlichsten Angelegenheiten bespricht, welchen Glauben man hat, das sei Privatsache. Geraume Zeit schon findet sich das Wort „privat“ auch auf den polischen und den Wirtschaftsseiten, dort in der Bezeichnung „Privatisierung“. Die einen sehen in ihr das Mittel, um Unternehmen zukunftstauglich zu machen, andere ein riskantes Manöver, das diese Zukunft eben gefährdet. Die sonst oft geschmähte „öffentliche Hand“ kommt so zu neuen Ehren. Die Privatisierungsdebatte führt ein Dilemma vor Augen: dass es – wie sonst im Leben – die gewünschten Sicherheiten nicht gibt, und dass auch Politik und Wirtschaft nicht ohne eine sehr altmodische Sache auskommen können: Vertrauen. Sie müssen sich als vertrauenswürdig erweisen. Europas Geschichte ist voll von Beispielen, in denen Staaten den Vertrauensvorschuss von Menschen verspielt haben. Sie ist aber auch voll von Beispielen, in denen „Private“ ihre Möglichkeiten nur für sich selbst genutzt haben, ohne Rücksicht auf das Wohl ihrer Mitarbeiter oder Kunden.Wenn öffentliches Interesse und privates Engagement gut miteinander verwoben sind, hat das Vertrauen einen besseren Boden. „Privatwirtschaft“ kann niemals nur im privaten Interesse und ohne öffentlichen Bezug geschehen. Und die „öffentliche Hand“ bleibt kalt, wenn sich nicht viele Einzelne für ihre Ziele und Aufgaben persönlich einbringen. Auch der Staat ist keine Maschine oder kein Automat. Er besteht aus Menschen.