Mit dem Besuch des Papstes in Georgien vor vier Jahren waren immer wieder zwei Namen genannt worden: Edward Schewardnadze, der Staatspräsident der Kaukasus-republik, sowie der georgisch-orthodoxe Patriarch Elias II. Beide hatten beigetragen, dass der Besuch bei den 100.000 Katholiken unter fünf Millionen Orthodoxen als Ausdruck ökumenischer Hoffnung gewertet wurde. Nach diesem Wochenende ist der gute Eindruck verblasst. Elias II. segnete Protestteilnehmer, die gegen einen Vertrag zwischen Tiflis und Rom demonstrierten. Darin wäre die katholische Kirche juristisch anerkannt worden. Doch buchstäblich in letzter Sekunde ist daraus nichts geworden. Der vatikanische Außenminister musste unverrichteter Dinge abreisen. Denn Schewardnadze hat eine Wahl vor sich, und da setzt der Ex-Außenminister der Sowjetunion auf die Stimme der georgischen Orthodoxie.
Walter Achleitner
Ein Neuanfang
Jetzt wäre eine gute Zeit, einen Neuanfang in der Zuwanderungs- und Flüchtlingspolitik zu machen. Innenminister Ernst Strasser hat vergangene Woche nach der Entscheidung des Obersten Gerichtshofes von einer „völlig neuen Situation“ gesprochen. Man sollte die Chance nützen und nicht nur die Bundesbetreuung mitelloser Flüchtlinge neu regeln. Die ganze Zuwanderungs- und Asylpolitik in Österreich steht seit vielen Jahren unter einem schlechten Stern. Menschenrechte wurden beschädigt und viele Ausbildungs- und Integrationschancen wurden verspielt. Österreich sollte wenigstens jetzt die Gunst der Stunde nutzen, um eine zukunftsweisende und menschengerechte Ausländerpolitik auf die Schiene zu bringen.