Als „Doppelbarbar“ bezeichnet Shahin Vaziri seine Aufgabe: der Iraner ist für das Hilfswerk Austria in Afghanistan tätig.
In mehrfacher Hinsicht scheint Shahin Vaziri bislang das Unmögliche doch möglich zu machen: Zum einen wurde nach wenigen Wochen Bauzeit statt der Grundsteinlegung bereits die Dachgleiche für das Frauensozialzentrum in Kundus gefeiert. 70 Männer arbeiten dort unter seiner Aufsicht in drei Schichten rund um die Uhr – auch deshalb, weil es in der Nacht nicht ganz so heiß ist. Und so könnte dem gewieften Diplomingenieur in Nordafghanistan gelingen, was selbst hierzulande nicht oft vorkommt. Das Projekt „Solidarität gegen Krieg“ könnte rechtzeitig zur Eröffnung fertig gestellt sein. Zum anderen hat der Baustatiker eine neuartige Brücke geschlagen: Shahin, als Mitarbeiter für das Hilfswerk Austria vor Ort, ist Bauleiter des Caritas-Projektes. Eine Kooperation, die zwar nicht ganz ohne Vorbehalte zustande gekommen ist, aber Spendeneuro spart und sich bislang ausgezeichnet bewährt. Dabei lebt Shahin Vaziri (40) auch kulturell eine Doppelrolle. Im Iran geboren und mehr als ein Jahrzehnt in Österreich tätig, sitzt er nun in Kundus zwischen zwei Welten, die dem jeweils anderen vorhält „Barbaren“ zu sein: Weder der Westen noch die Afghanen „können die andere Kultur akzeptieren und respektieren.“ Beide Seiten zueinander zu bringen und dadurch Probleme abzubauen, das war Shahins Lebenswunsch. Sein erster Versuch, über den ÖED als Entwicklungshelfer nach Kenia zu gehen, scheiterte an seiner „Überqualifikation“. Der zweite Anlauf nach dem 11. September war erfolgreich – ebenso wie sein Einsatz für Sozial- und Bauprojekte für das Hilfswerk in der Region Kundus.