Andrea Fröschl war für die KIZ auf Tour durch die Linzer Innenstadt
Ausgabe: 2003/39, Wallner, Fröschl, Rollstuhl, Kirchen, Test
24.09.2003
- Josef Wallner
Zum Taize-Gebet in der Kirche der Barmherzigen Brüder gelangt Andrea Föschl nicht ohne fremde Hilfe. Die erste Barriere ist die zu schmale Tür (siehe Bild): „Wenn es regnet, ist es unangenehm warten zu müssen, bis jemand kommt und hilft. Wie schön wären Türen, die sich auf Knopfdruck öffnen lassen.“
Wer im Rollstuhl Gotteshäuser besuchen will, stößt im Zentrum von Linz ausnahmslos auf Barrieren – die meisten sind unüberwindlich.
Die Reifen des Elektrorollstuhls drehen sich durch. Warum? – Zum Portal des Neuen Doms führt eine rollstuhlgerechte Rampe, aber dann ist da diese verflixte Türschwelle. Keine zehn Zentimeter hoch und schon endet der Dombesuch – wenn nicht jemand kommt und ein wenig nachhilft. „Natürlich machen das die Leute gerne“, erzählt Andrea Fröschl. Aber das ist nicht die Frage: „Das Schönste ist die Normalität. Dass ich alleine tun kann, was ich tun will“. Und die 42-jährige Andrea Fröschl kann viel alleine tun.
Sie lebt im Verbund eines Betreuungsprojektes des „Dorfes“, hat aber ihre eigene Wohnung. „Dort bekomme ich die Unterstützung, die ich rund um die Uhr brauche, habe aber gleichzeitig die Freiheit, die ich möchte.“ So kann sie selbstverständlich von ihrer Wohnung aus ohne fremde Hilfe ihre Pfarrkirche St. Franziskus (Linz) erreichen und mit den öffentlichen Verkehrsmitteln auch in das Zentrum von Linz fahren.
Zurück in den Dom. Einmal fest angeschoben und der Elektrorollstuhl rollt über die Schwelle. Die Schwingtüren des Windfangs sind nicht optimal, aber wenn Andrea Fröschl vorsichtig an sie heranfährt, kann sie sie mit der Kraft ihres Elektrorollstuhls öffnen. Sie besucht im Dom gerne Abendgottesdienste. Die werden in der Votivkapelle gefeiert oder in der Krypta. Zielstrebig steuert sie in einer Seitenkapelle auf eine Aufzugstür zu: „Damit kann ich die Krypta erreichen.“ Wird in der Votivkapelle gefeiert, dann ist ihr Platz hinter der letzten Bank. Eine Stufe verhindert, dass sie inmitten der anderen Gottesdienstbesucher beten und singen kann. Dompfarrer Maximilian Strasser weiß um dieses Problem und verspricht bei einer Umgestaltung – die zwar noch in Ferne ist – Abhilfe. Das Resümee des Dombesuchs: „Der Dom ist die Kirche der Innenstadt, die am wenigsten Barrieren hat. Nicht optimal, aber gut“.
Auf zur nächsten Kirche: Der Besuch bei den Karmeliten in der Landstraße endet vor der Tür. Zwei Stufen sind unüberwindlich, über solche Barrieren lässt sich der 120 Kilogramm schwere Rollstuhl nicht heben. „Ich war noch nie in der Karmeliterkirche.“ Aufgrund einer Muskelerkrankung benutzt Andrea Fröschl seit dem 8. Lebensjahr einen Rollstuhl. Als Kind war sie mit ihrer Familie im Alten Dom. Ihre Mutter trug sie im Handrollstuhl über die Stufen.
Auch bei der Stadtpfarrkirche und der Ursulinenkirche ist Scheitern angesagt. Zwar lässt sich die Ursulinenkirche über einen Seiteneingang barrierefrei erreichen, dieser ist aber verschlossen.
Was sich Andrea Fröschl nach der Kirchentour wünscht: „Dass die Rollstuhlbenützer nicht zu früh Barrieren akzeptieren. Und dass die anderen merken, wie einfach sich manches ändern lässt“.