Im vergangenen Schuljahr hat sich das Stiftsgymnasium Wilhering mit vielen Projekten zur Unterstützung von P. José eingesetzt. Initiatorin Margot Brucker hat ihn und den Auslandsdiener Lukas Gahleitner besucht.Lukas parkt den klapprigen VW-Bus direkt vor der Fazendinha, und schon stürmen Kinder auf uns zu. Die Begrüßungszeremonie fängt mit Händeschütteln und Umarmungen an und endet mit einem Redeschwall der Kinder. Sie wollen alles über Florian, Lukas’ älterem Bruder, und mich wissen. Unsere Portugiesischkenntnisse sind äußerst dürftig, aber die Kinder zeigen sich geduldig.Zivildienst bei Pater JoséDie Fazendinha ist eine Tagesheimstätte für Kinder, die auf Grund der schwierigen familiären, sozialen oder finanziellen Situation viel Zeit auf der Straße verbringen. Pater Josef Hehenberger – in Brasilien Padre José genannt – lebt seit über 30 Jahren in Brasilien, um sich dort für die sozial und politisch Benachteiligten einzusetzen. Eines seiner zahlreichen Projekte in der kleinen Stadt Jacobina im brasilianischen Bundesstaat Bahia ist der Bau und die Organisation der Fazendinha. Lukas Gahleitner maturierte 2001 und absolvierte ab Sommer 2002 seinen Zivildienst im Rahmen eines Auslandsdienstes in Jacobina bei Padre José.Ich habe das Glück, nach einer dreiwöchigen Brasilienrundreise mit Lukas, der ja schon 14 Monate in Jacobina verbracht hat, das Leben, die Menschen und ihre Mentalität in Brasilien kennen zu lernen. Hier können wir die Probleme der armen Gesellschaft hautnah miterleben. Wir erfahren auch von den Schwierigkeiten der freiwilligen Helfer und Zivildiener, die wie Lukas unter die Armen gehen, um vor Ort behilflich zu sein.Während Lukas seinen Bruder und mich durch die Räumlichkeiten der Fazendinha führt, berichtet er von seiner Arbeit mit den Kindern: „Am Anfang war es wirklich schwierig, da es unmöglich ist, sich mit nur geringen Portugiesischkenntnissen Respekt zu verschaffen. Außerdem haben wir Betreuer hier in der Fazendinha keine pädagogische Ausbildung, wobei es aber unsere Aufgabe ist, den Kindern einen sinnvollen Zeitvertreib anzubieten und sie zur kritischen Auseinandersetzung mit sich selbst und ihrer Umwelt zu motivieren.“ Im Klassenraum zeigt uns Lukas an der Wand hängende Arbeitsblätter, anhand derer er mit den Kindern über die ungerechte Landverteilung in Brasilien sprach. „Nach so einer Arbeit muss man den Kindern auch immer Freiraum für Bewegung und Entspannung geben.“Wir besuchen die Küche, den Klassenraum, den Werkraum und die Bibliothek. Vor dem Veranstaltungsraum warnt Lukas uns vor: „Normalerweise gibt es in der Fazendinha Vormittagskinder, die am Nachmittag in die öffentliche Schule gehen, und Nachmittagskinder, bei denen es umgekehrt ist. Heute ist aber alles anders …“So ist es, denn für heute haben alle Kinder und Betreuer eine Aufführung mit Tanz und Gesang vorbereitet, mit der sie sich bei Lukas bedanken.Bleibende EindrückeIch bin ehrlich gerührt und denke über den Besuch bei Padre José vor zwei Tagen nach. Ich überreichte ihm einen Scheck über 15.000 Euro, eine Spendensumme, die das Stiftsgymnasium Wilhering durch mehrere Aktionen im Rahmen des „Projekts Fazendinha“ im vergangenen Schuljahr gesammelt hatte. Die Spende wird unter anderem für die Ausbildung des Arbeits- und Erziehungsteams und für die Verbesserung der Beschäftigungsangebote für die Kinder der Fazendinha verwendet werden. Padre José war gerührt und er bedankte sich bei Lukas und für das Engagement in unserem Gymnasium. Jacobina – für uns ist es eine Zeit voller bleibender Eindrücke, die wir neben der Motivation, helfende Hände dort anzubieten, wo Menschen mit viel schlechteren Lebensbedingungen aufwachsen als wir, mit nach Hause nehmen wollen.