Der Moraltheologe und Pionier der ethisch-ökologischen Geldanlage, Prof. Johannes Hoffmann, referierte beim Ethik-Beirat der Sparkasse OÖ.
Das Vorurteil hält sich hartnäckig: dass Anleger nur mit Aktien von Unternehmen Gewinn machen können, die keine Rücksicht nehmen auf Arbeitsrechte oder Umweltschutz. Doch das Gegenteil ist der Fall. So liegen zum Beispiel die beiden Ethikfonds der Sparkasse deutlich über dem Weltaktienindex. „Ethische Veranlagungen können ertragreicher sein als herkömmliche Investments“, erklärt Sparkassen-Vorstand Mag. Michael Martinek. Dass die ethisch-ökologische Geldanlage ein Wachstumsmarkt ist, bestätigt der Frankfurter Theologe Hoffmann. Anfang der neunziger Jahre hat er auf Verlangen von Mitarbeitern der deutschen Bank 850 Kriterien aufgestellt, die zu beachten sind, damit Geld „sauber“ bleibt. Mit finanzieller Hilfe von 36 Ordensgemeinschaften hat er aus dem Wust wissenschaftlicher Überlegungen mit dem Ökonomen Scherhorn einen Leitfaden erarbeitet, der auch in der Praxis angewendet werden kann und heute als richtungsweisend gilt. Der ist unter dem Namen „Frankfurt-Hohenheimer-Leitfaden“ bekannt. Beim Weg von der Theorie zur Praxis machte er die Erfahrung: „Frauenorden waren zu einem wesentlich höheren Anteil engagiert als Männerorden. Frauen scheinen generell sensibler für ethische Veranlagung zu sein als Männer.“ Mitte der 90-iger Jahre gab es in Deutschland rund zehn Fonds, in denen man sein Geld sauber anlegen konnte. Heute sind es in Deutschland 110, in Österreich an die dreißig. „Der Markt hat das Thema aufgegriffen“, betonte Hoffmann: Auch wenn in Österreich nur 0,3 Prozent des Geldes ethisch-ökologisch angelegt werden. In diesem wachsenden Markt sei es wichtig, dass kein Wildwuchs entsteht, sondern die Kriterien für die Geldanlage streng eingehalten werden. Eine Schlüsselrolle komme dabei den Beratungsinstituten zu, die die Unternehmen und die Länder, in denen produziert wird, durchleuchten. Die Liste der Fragen ist dabei lang: Hat das Land, zum Beispiel das „Kyoto Protokoll“ für den Klimaschutz unterzeichnet, sind die Todesstrafe abgeschafft und Kinderarbeit verboten? Unternehmen werden befragt, ob sie Rüstungsgüter produzieren, Pornografie herstellen und vieles andere mehr. Weil mit der Qualität der Beratungsinstitute auch die Seriosität der ethischen Geldanlagen steht und fällt, hat Hoffmann die 25 Beratungsfirmen unter die Lupe genommen, die zur Zeit in Europa tätig sind. Dabei stellt er einer der dienstältesten Agenturen am Markt ein hervorragendes Zeugnis aus. „Oekom Research“ ist seit zehn Jahren am Markt und berät neben der Sparkasse auch die Raiffeisenbank, katholische Ordensgemeinschaften und ist auch für die Diözese Linz tätig.