Seit 100 Jahren wirken die Salesianer Don Boscos in Österreich
Ausgabe: 2003/42, Leitwölfe, Salesianer, Don Bosco, Wöss, Niederleitner
14.10.2003
- Heinz Niederleitner
Im Brucknerhaus in Linz feierte die Don Bosco-Familie letzten Sonntag ihr Jubiläum. Die KIZ sprach mit Provinzial Pater Dr. Franz Wöss über den Orden und die Zukunft der Jugendpastoral.
KIZ: Welche Bilanz ziehen Sie über 100 Jahre Don Bosco-Familie in Österreich?
P. Wöss: Die Jahre waren geprägt von Wandel und Kontinuität. Schülerheime waren z. B. plötzlich nicht mehr so notwendig wie früher. Dafür wurde die außerschulische Jugendbegleitung immer wichtiger. Ein Beispiel ist das Don Bosco-Haus in Wien, wo u. a. die Orientierungstage erfunden wurden. Trotzdem gab es auch immer Kontinuität: durch unsere Tätigkeit in den Pfarren, wo wir einen Schwerpunkt in der Jugendarbeit setzen.
Die Kirche tut sich zunehmend schwerer mit der Jugend. Was könnte hier Abhilfe schaffen?
Der Erfolg bei der Jugend steht und fällt mit den Bezugspersonen. Wir brauchen Menschen wie Leitwölfe. Wo es Mitarbeiter/innen gibt, mit denen sich Jugendliche identifizieren können, dort passt es. Außerdem braucht die Jugend ein „Wofür“: Wir setzen auf eine thematische Jugendpastoral. Dazu gehören die Volontariate in der Mission. In fünf Jahren haben wir 150 junge Leute ausgesandt. Sie kommen nach dem Jahr verändert zurück. Jugendarbeit muss aber auch verlässlich sein. Es ist nicht richtig zu sagen, wer die Jugend hat, hat die Zukunft, sondern umgekehrt: Wer Zukunft hat, hat auch die Jugend.
Was halten Sie von Vorschlägen, statt offener Jugendarbeit, sich auf die Jugendlichen zu konzentrieren, die ohnehin da sind?
Ich kenne keinen Bibeltext, wo es heißt: Beschränke dich auf die kleine Herde. Das würde die missionarische Dimension der Kirche ausblenden.
Wie sieht es mit dem Nachwuchs im Orden aus?
In den sog. „alten europäischen Ländern“ geht es uns nicht anders als anderen Orden. Die Kirche generell darf das Thema der Berufung in der Jugendpastoral nicht mehr vornehm verschweigen: Wir brauchen eine freundliche, aber offensive Strategie für geistliche Berufe.
Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Don Bosco-Familie?
Ein hörendes Herz, den Mut, neue Wege zu gehen, und die Fähigkeit, den Weg Don Boscos so zu leben, dass junge Menschen sagen: Da mach’ ich mit!