Dass die Iranerin Shirin Ebadi entgegen anderslautenden Prognosen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird, stellt zwei weit verbreitete Vorurteile in Frage. Einerseits zeigt gerade die unerschrockene Rechtsanwältin, dass der Islam und die Menschenrechte vereinbar sind. Wenn sie dabei lernen musste, „mit der Furcht zu leben“, ist das ein anderes Kapitel; aber das müssen auch Menschenrechtler außerhalb der islamischen Welt lernen. Zweitens: im Westen werden Frauen unter dem Kopftuch oft belächelt: als würde der Islam sie in ihrer Selbständigkeit behindern. Es ist umso überraschender, wenn die erste Muslima, die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wird, daher sagt: „Ich habe kein Problem mit dem Islam. Ich habe ein Problem mit der Kultur des Patriarchats.“ Gibt es dieses im Christentum nicht auch?