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Ein Euro macht nicht satt

Entwicklungshilfe: Damit Österreich nicht weiter Hinterbänkler bleibt
Ausgabe: 2003/42, Euro, Entwicklungshilfe, Hinterbänkler
14.10.2003
- Hans Baumgartner
Österreich gehört seit Jahren zu den Hinterbänklern bei der Entwicklungshilfe. Damit das anders wird, starten jetzt 40 Organisationen die Kampagne „nullkommasieben“.

Vor 30 Jahren hat Österreich gegenüber der UNO versprochen, 0,7 Prozent seines Brottonationaleinkommes für Entwicklungshilfe auszugeben. Im September 2000 hat sich Österreich auch verpflichtet, die „Millenniums-Ziele der UNO“ mitzutragen. Das ehrgeizige Programm will bis zum Jahr 2015 Folgendes erreichen: die Halbierung der extremen Armut und des Hungers, Grundschulbildung für alle Kinder, die Senkung der Kinder- und Müttersterblichkeit, Frauenbildung, der Kampf gegen übertragbare Krankheiten und nachhaltige Maßnahmen für Umwelt und Wirtschaft.

Nicht weltmeisterlich


Bereits bei der UNO-Konferenz in Johannesburg (2002) zeigte sich, dass 64 Länder, in denen 60 Prozent der Weltbevölkerung leben, die Millenniums-Ziele nicht einmal zur Hälfte erreichen werden. Eine Milliarde Menschen, so ein UNO-Bericht, muss von weniger als einem Euro pro Tag leben. Die Weltbank hat ausgerechnet, dass die Mittel für die Entwicklungszusammenarbeit verdoppelt werden müssten, um die Ziele zu erreichen. Im vergangenen Jahr gaben die 22 reichsten Industrieländer 55 Milliarden Euro für Entwicklungsförderung aus.
Österreich, das bei der Spendenbereitschaft der Bevölkerung zu den „Weltmeistern“ zählt, gehört bei der staatlichen Entwicklungshilfe leider zu den Hinterbänklern. Im Jahr 2002 wurden dafür weniger als 500 Millionen Euro oder 0,23 Prozent des Nationaleinkommens locker gemacht. Schlechter waren nur noch Griechenland, Italien und die USA. Zu den „Musterschülern“ zählen Dänemark, Schweden, Norwegen, Luxemburg und die Niederlande. Sie alle haben die versprochenen 0,7 Prozent schon überschritten.Österreich hat zwar zugesagt, bis 2006 den EU-Schnitt von 0,33 Prozent zu erreichen. Den entwicklungspolitisch engagierten Nichtregierungsorganisationen ist das aber zu wenig. „Als achtreichstes Land der Welt haben wir die Verpflichtung, mehr für die ärmsten Länder zu tun“, sagt Judith Zimmermann von der Koordinierungsstelle der Bischofskonferenz. Um dafür bei der Regierung Druck zu machen und bei der Bevölkerung um Verständnis zu werben, haben 40 Organisationen diese Woche am „Welttag der Armutsbeseitigung“ die Kampagne „nullkommasieben“ gestartet. „Munition“ zur Unterstützung lieferten die UNO-Koordinatorin für die Millenniums-Ziele, Eveline Herfkens, und Bischof Julio Xavier Labayen von den Philippinen.

Mehr und besser


Erstes Ziel der Kampagne ist, so Zimmermann, dass Österreich seine öffentliche Entwicklungsförderung bis zum Jahr 2010 auf 0,7 Prozent des Nationaleinkommens aufstockt und dafür einen konkreten Plan vorlegt. „Wir wollen aber auch eine qualitative Verbesserung der öffentlichen Entwicklungszusammenarbeit erreichen, wie das auch von der OECD immer wieder eingemahnt wird“, betont Zimmermann. Die Organisationen fordern:
- eine deutliche Erhöhung des Anteils der direkten Programm- und Projekthilfe, der derzeit nur 20 Prozent ausmacht;
- eine Zusammenfassung der Entwicklungsförderung in ein Gesamtbudget (dz. beim Außen-, Finanz- und Bildungsministerium) und eine Ausrichntung aller Geldleistungen auf die Ziele der österreichischen Entwicklungszusammenarbeit (Vorrang für die ärmsten Länder etc.);
- die Schaffung eines eigenen Budgetansatzes für die Arbeit der Nichtregierungsorganisationen, die einen wesentlichen Teil der direkten Entwicklungshilfe leisten;
- den Einsatz Österreichs für die wirtschaftliche, soziale, demokratische und ökologische Entwicklung der Länder des Südens durch gerechte internationale Rahmenbedingungen (Welthandel, Schuldenpolitik etc.).




Sonntag der Weltkirche

Im Blick

Die Sammlung der Päpstlichen Missionswerke (Missio) zum Sonntag der Weltkirche (19. Oktober) ist die größte Solidaritätsaktion. Die gesamte katholische Kirche bittet an diesem Tag um Spenden für die ärmsten Bistümer in Afrika, Asien und Lateinamerika. Über 1100 Diözesen wird so ein bescheidenes Einkommen ermöglicht.
Die Sammlung am Sonntag der Weltkirche dient dazu, den Ortskirchen in den armen Ländern ein „Existenzminimum“ zu sichern. Dabei geht es nicht um bestimmte Projekte, sondern um die täglichen Ausgaben, ums Überleben. Vielfältige pastorale und soziale Aufgaben der Kirche können auf diese Weise begonnen und gesichert werden. Österreichs Katholiken/-innen haben vergangenes Jahr 2,012 Millionen Euro zum Sonntag der Weltkirche gespendet. Spitzenreiter ist die Diözese Feldkirch. Dort kommt auf jedes Kirchenmitglied eine Spende von 1,88 Euro; es folgen die Diözesen Eisenstadt und Linz mit 0,4 Euro pro Katholik/-in sowie Innsbruck und St. Pölten mit jeweils 0,33 Euro.
Von Beginn an sollte es am Sonntag der Weltkirche (Missionssonntag) nicht nur ums Geld gehen, sondern auch um die Solidarität des Gebetes und um mehr Wissen voneinander. Deshalb stellt Missio Österreich seit einigen Jahren immer ein Land besonders in den Blickpunkt. Heuer ist es das afrikanische Ruanda.
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