Caritas eröffnet in Weißrussland Haus für Tschernobyl-Kinder und eine Sozialschule
Ausgabe: 2003/42, Caritas, Weißrussland, St. Lukas, Projekt
16.10.2003
- Ernst Gansinger
Das Caritas-Zentrum St. Lukas in Weißrussland in der Nähe von Minsk ist fertig. Kirchenzeitungsleser/innen haben viel dazu beigetragen.
Sechseinhalb Jahre hat der Dompteur mit dem Tiger an der abschließenden Nummer im weißrussischen Nationalzirkus gearbeitet. Jetzt zeigt er die atemberaubende Dressur. Was lange währt, wird endlich gut, nein super. So wie der Dompteur mit dem Applaus der Zirkusbesucher für sein jahrelanges Durchhaltevermögen belohnt wird, darf die weißrussische Caritas und mit ihr die Caritas Linz fortan ernten, was sie vor sieben Jahren begonnen haben. Am 8. Oktober wurde das Caritas-Zentrum St. Lukas in Borowljanij, einem Vorort von Minsk, eingeweiht. Bischof Maximilian Aichern kam dazu mit Caritas-Direktor Mathias Mühlberger, Bischofsvikar Josef Mayr und mit Freunden der Caritas nach Minsk.
Danke den KIZ-Leser/innen
Rund drei Millionen Schilling haben Kirchenzeitungsleser/innen seit 1996 für das Projekt gespendet. Das war eine der großen Finanzierungshilfen für die Caritas, ebenso die der „Freunde der Caritas“, des Jugendrotkreuzes, des Landes Oberösterreich, von pfarrlichen Initiativen (z. B. Enns und Maria Neustift) und von vielen privaten Unterstützern. Die Absicht, krebskranken Kindern zu helfen, blieb unverändert. Es kam aber noch ein zweiter Schwerpunkt hinzu: St. Lukas ist nun auch ein Seminarzentrum für pflegende Angehörige und Sozialarbeiter/innen. Es ist ein beispielhaftes Projekt geworden in einem Land, das von den Folgen der Tschernobylkatastrophe besonders betroffen ist. Vor allem Kinder aus armen Schichten – arm sind hier viele – sind in einem schlechten körperlichen Zustand. In zwei der fünf Häuser werden bis zu 20 schwer kranke Kinder mit ihren Müttern aus sozial schwachen Familien die Wartezeiten zwischen den Therapien verbringen können. Und es werden Seminare angeboten. Die erste Bewährungsprobe hat St. Lukas bereits bestanden: Aus verschiedenen weißrussischen Sozialämtern waren schon vor der Eröffnung Mitarbeiter/innen zur Fortbildung gekommen. Wer weiß, wie schwierig die Annäherung des weißrussischen Staates an von außen kommende Hilfe ist, kann ermessen, welch Riesenschritt in den letzten Jahren der Caritas gelungen ist. Was lange währt, wird endlich gut, meinten Vertreter der oö. Delegation, als man am Vorabend der Einweihung, das Ereignis der Fertigstellung von St. Lukas feierte. Der Generalsekretär der Caritas Oberösterreich, Franz Karl Prüller, bezeichnete St. Lukas als eines der wichtigen Projekte der Caritas Österreich im Ausland, das nun zu einem guten Anfang kommt. „Es geht jetzt los!“, sagte auch der ärztliche Leiter des Elisabethinen-Krankenhauses in Linz, Dr. Franz Harnoncourt, der als Mitglied der „Freunde der Caritas“ gemeinsam mit Dr. Georg Spiegelfeld-Schneeburg eine Patenschaft für St. Lukas übernommen hatte. Durch Aktionen konnten dabei 140.000 Euro zur Verfügung gestellt werden. Harnoncourt verglich die Fertigstellung von St. Lukas mit einer Geburt – sie ist das Ende der Schwangerschaft und der Beginn neuen Lebens. „Ich freue mich, dass es so etwas bei uns in Weißrussland überhaupt gibt“, ist Olga hoch motiviert. Erst seit drei Monaten arbeitet sie bei der Caritas Minsk.35 Quadratmeter für vierköpfige Familien, das ist in Weißrussland oft der Fall. 100 Euro verdient man in Minsk im Schnitt pro Monat. Das kostet eine Wohnung im Stadtzentrum auch. St. Lukas bietet Kindern und Müttern, die aus ärmsten Verhältnissen kommen und in einer physisch wie psychisch schwierigen Situation sind, ein kurzes Daheim.
Leser/innen helfen
Aktion
Die Kirchenzeitung will das Caritas-Projekt in Weißrussland weiterhin unterstützen. Wir bitten unsere Leser/innen für den laufenden Betrieb um eine Patenschaftsspende: Mit 840 Euro kann ein Platz in St. Lukas ein Jahr lang (!) finanziert werden.