Emotional ist er für viele nur ein Anhängsel. Der Allerseelentag. Die Gräber der Verwandten wurden ja schon am Allerheiligentag aufgesucht. Eine Frühmesse oder eine Abendandacht – das blieb für den Allerseelentag. In diesem Jahr ist es anders. Das Licht des Sonntags fällt auf den Inhalt des Allerseelen-Festes.
In der Tat. Vom Sonntag her lässt sich viel besser verstehen, warum die Christen Allerseelen überhaupt feiern. Der Tod, das Grab. Anlass und Ort der Trauer wären sie bis heute, wenn nicht geschehen wäre, was Christen Sonntag für Sonntag feiern: dass Christus auferstanden ist. Mit demselben Grund, mit dem Urchristen sogar unter Gefahr des Lebens am Sonntag zusammengekommen sind, um das schier Unglaubliche zu feiern, das ihnen verkündet wurde – dass Christus auferstanden ist –, kommen Menschen bis heute an den Gräbern zusammen. Hoffnung und Schmerz liegen hier so nahe beisammen. Aber gerade weil hier am Familiengrab oder am Grab eines anderen Menschen so bitter die Grenze menschlichen Hoffens erlebt wurde, ist diese Botschaft umso großartiger. Bis an den Grund dieses Grabes reicht die Liebesmacht Gottes. „Hinabgestiegen zu den Toten“ ist er.
Eine gewisse Leichtigkeit kommt im Wort Seele zum Ausdruck.In der Tat, eine Entlastung ist gemeint. Die Fesseln und Grenzen, der Schmerz fällt ab. Und umgekehrt lässt sich die Bedeutung des Sonntags von Allerseelen her deuten. Das Leben geht einem Sonntag zu. Gott steht in der Mitte. In den vielen Werktagen des Lebens darf ein Christ auf einen großen, letztendlichen Sonntag hoffen.