Das Adjektiv „christlich“ ist derzeit in aller Munde: Eine Regierungspartei beruft sich auf ihre „christlich-sozialen“ Wurzeln, andere meinen, sie hätte diese auf Grund neoliberaler Tendenzen oder der Asylpolitik längst verraten.
Immer mehr wird christlich gleichbedeutend mit sozial oder caritativ verwendet. Das ist freilich nicht falsch; das Gebot zur Nächstenliebe gehört zum Wichtigsten, was Christus uns aufgetragen hat. Aber „christlich“ geht nicht im Begriff des Sozialen auf, die Gottesliebe darf nicht neben der Nächstenliebe vergessen werden.
Die religiöse Dimension des Attributes „christlich“ gerät gesellschaftlich immer mehr ins Abseits. Eine Bezugnahme auf christliche Werte in irgendwelchen Verfassungen wird daran nichts ändern, sondern eher den Status quo einzementieren.
Es wird an den christlichen Kirchen liegen, das Christentum in seiner gesamten Bedeutung wieder in die Gesellschaft zu tragen. Und es wird an den Christinnen und Christen liegen, zu zeigen, dass sie durch ihr caritatives Tun nicht nur in einer Beziehung zu ihrem Nächsten, sondern auch zu Gott stehen.