Hubert Lehner hat die Grenzen zu den östlichen Nachbarn schon in Zeiten überbrückt, als dies noch höchst gefährlich war. Die Freunde von damals danken es ihm bis heute. Er steht noch immer an dieser Brücke.
Sein Name war einer der bekanntesten. Ob in Jugoslawien oder in der Tschechoslowakei, oder in einem anderen der mittelosteuropäischen Länder. Der Name „Hubert Lehner“ war jenen vertraut, die sich unter den schwierigen Bedingungen des Kommunismus um die Kirche zu kümmern hatten.
Aus Anlass seines 75. Geburtstages hat Landeshauptmann Dr. Josef Pühringer am 15. Oktober Dipl.-Ing. Hubert Lehner das Silberne Ehrenzeichen des Landes Oberösterreich überreicht. Die Feier fand im Bischofshof statt. Unter den zahlreichen Festgästen fanden sich auch solche aus jenen Ländern, für die Lehner damals so wichtig war. Generalvikar Václav Dvorák aus Budweis etwa, oder der ehemalige Kapitelvikar Josef Kavale, der die Nachbardiözese durch die letzte Phase des Kommunismus und die erste Zeit nach der Wende von 1989 geleitet hat.In berührenden Worten bedanken sie sich bei Hubert Lehner. Bücher, Zeitschriften Andachtsgegenstände und Medikamente hat er immer wieder über die Grenze geschmuggelt. Im Schutz eines Waldes wurde die „heiße Ware“ übergeben. Für tschechische Theologen war diese Literatur äußerst wichtig.
Die Feier im Bischofshof war vom Oberösterreichischen Pressverein organisiert worden. In seiner ersten Berufsphase als Landesbediensteter war Lehner für den Bereich Wasserbau in Oberösterreich zuständig. Das berufliche Engagement war von Anfang an begleitet von einem starken kirchlichen Apostolat: 1951 bis 1957 war er Bundesgeschäftsführer der Katholischen Jugend Österreichs. 1955 wechselte Lehner zum Katholischen Pressverein, 1961 zum Oberösterreichischen Landesverlag und stieg dort zum Generaldirektor auf. Für Hubert Lehner war mit der wirtschaftlichen Führung eines Unternehmens stets auch die ideelle Zielsetzung entscheidend. Im Bereich des Katholischen Pressewesens war er ein weltweit geachteter und geschätzter Mann und Experte. „Wie ein Todesurteil“ traf Lehner die Entscheidung, als im Zuge der Neustrukturierung des Verlages der neu hereingeholte Partner des Landesverlags, die Raiffeisen Zentralkasse, sein Ausscheiden verlangte. „Mit 54 ohne berufliche Aufgabe spazieren zu gehen, noch dazu zu einem Zeitpunkt, in dem das Unternehmen endlich auf eine gesunde finanzielle Basis gestellt wurde, konnte sich Lehner kaum vorstellen. Vielleicht passte in die nun vorherrschende Wirtschaftsphilosophie jene Eigenschaft Lehners nicht mehr, die ihm der bekannte Publizist Hubert Feichtlbauer zuschreibt: „Mister Redlichkeit“, oder „Großmeister der guten Tat“. Für solche Taten ist Lehner hohes persönliches Risiko eingegangen, wenn er seine „Grenzgänge“ unternahm. Viele Wege hat er in der schwierigen Zeit erschlossen, die von anderen später nur beschritten werden brauchten.Spazieren gegangen ist Lehner auch später wenig, gelaufen ist er trotzdem viel – wieder für andere. Für die Diözese Linz wurde er in den folgenden Jahren zum offiziellen Kontaktmann zu den mittelosteuropäischen Partnerdiözesen – und ist dies bis heute.