Ordensspitäler genießen ein Ansehen, von dem andere Institutionen nur träumen können. Doch davon lässt sich kein Krankenhaus finanzieren. Wie den Spagat zwischen Ethik und Wirtschaft meistern? Das war das Thema beim Forum der Ordensspitäler.
„Die ethische Latte liegt für Ordensspitäler höher als für andere Krankenhäuser“, betonte Univ.-Prof. Clemens Sedmak vor den 500 Teilnehmern des Kongresses der Ordensspitäler: „Ethik und Solidarität sind aber keine lästige Zusatzverpflichtung, sondern ein Wettbewerbsvorteil.“ Ein klares religiöses Profil mache ein Krankenhaus anziehend. Wie Jesus mit den Kranken umgegangen ist, das sollte Orientierung für die Ordenspitäler sein, so Sedmak: „Jesus stellte die Leidenden in die Mitte und schenkte ihnen seine ganze Zuwendung und Aufmerksamkeit. In einer Gesellschaft, in der Wellness, Jugendlichkeit und Gesundheit zählen, kommt ein Ordensspital nicht umhin, eine Theologie des Leidens und der Schmerzen zu entwickeln“, regt der Philosoph und Theologe an. Das soll nicht nur den Patienten helfen, mit ihrer Situation umzugehen, sondern ist auch ein Dienst an allen Menschen: Das Leid dürfe nicht aus dem öffentlichen Bewusstsein verdrängt werden.
Die Ordenskrankenhäuser haben ihre Sendung mit dem Slogan „Dem Leben dienen“ auf eine prägnante Formel gebracht. Wer sich für den Schutz des Lebens stark macht, kann dies nur glaubwürdig tun, wenn er die Grenzen nicht zu eng setzt, zeigt Sedmak auf: Zum Schutz des Lebens gehört die Ablehnung von Abtreibung und Euthanasie, aber ebenso das Engagement gegen Todesstrafe und Aufrüstung.
Nicht nur der Salzburger Universitätsprofessor Sedmak, auch der Münchner Gesundheitsökonom Günter Neubauer sieht für kirchliche Krankenhäuser mit Profil gute Chancen zu bestehen – trotz enormen wirtschaftlichen Drucks. In Deutschland hat der Verdrängungswettbewerb bereits voll eingesetzt. Privatkrankenhäuser boomen, öffentliche Spitäler geraten immer mehr unter Druck, gemeinnützige Spitäler in freier Trägerschaft, zu denen Ordenskrankenhäuser zählen, hätten aber enorme Vorteile: überdurchschnittlich engagierte Mitarbeiter/-innen, das flexible Management und die Möglichkeiten der Kooperation.
„Entscheidend wird aber sein, wo der Patient hingeht“, so Neubauer. Daher kommt der Information eine besondere Bedeutung zu: „Der Patient muss darauf vertrauen können, dass er im Krankenhaus nicht im Weg, sondern im Mittelpunkt steht.“
Zur Sache
Ordensspitäler
Die katholischen Orden und die evangelische Diakonie betreiben in Österreich 31 Spitäler und stellen bundesweit 18 Prozent aller Spitalsbetten. In Oberösterreich versorgen acht Ordensspitäler rund 47 Prozent der stationären Patienten. In Tirol gibt es ein ordenseigenes Krankenhaus und zwei Sanatorien von Orden.
Wir sind an unseren Grenzen
Interview
Sr. Engelberta Augl ist die Verwaltungsdirektorin des Elisabethinen-Krankenhauses in Linz. Die Kirchenzeitung sprach mit ihr über Ordensspitäler und deren finanziellen Druck. Ordenskrankenhäuser genießen in der Bevölkerung ein hohes Ansehen. Warum?
Sr. Engelberta: Das ist schwer zu beschreiben. Wir erleben, dass uns die Patienten großes Vertrauen entgegenbringen und dass sie die Atmosphäre in unseren Häusern schätzen. Ich glaube die Menschen spüren, dass wir in unserem Dienst an den Leidenden einen christlichen Heilsauftrag sehen.
Die finanzielle Misere des Gesundheitswesens geht auch an den Ordenskrankenhäusern nicht vorbei . . .
Sr. Engelberta: Kein Spital ist kostendeckend zu führen. Bei öffentlichen Krankenhäusern werden die fehlenden Beträge zur Gänze von der öffentlichen Hand abgedeckt, bei Ordenskrankenhäusern höchstens zu 96 Prozent. Für den verbleibenden Betrag müssen die Orden selbst aufkommen, und das schon seit Jahren. Für 2003 werden die Orden alleine in Oberösterreich rund 15 Millionen Euro anEigenmitteln aufbringen müssen, die durch die Arbeit der Ordensangehörigen erwirtschaftet werden. Alle Häuser sind an einer finanziellen Grenze angelangt. Wir hoffen, dass nun die Finanzverhandlungen mit dem Land ein gerechtes Ergebnis bringen werden.