„Welch’ Glück sondergleichen ein Mannsbild zu sein“, jubelt Johann Wolfgang von Goethe. Die neue Männerstudie 2003 sieht das differenzierter.
Für Genetiker gibt es keinen Zweifel: Der Mann geht seinem Ende entgegen. Aufgrund des Y-Chromosoms können Männer genetische Defekte nicht im notwendigen Maß ausgleichen. Diese These eines amerikanischen Wissenschafters war kürzlich Titelgeschichte im Nachrichtenmagazin Spiegel. Da bis zum Aussterben des „starken Geschlechts“ aber noch rund 125.000 Jahre bleiben, lohnt sich eine Auseinandersetzung mit der Männerstudie des Wiener Pastoraltheologen Paul M. Zulehner allemal. Das Erfreuliche vorweg: Der Trend zum „neuen Mann“ hält an. Innerhalb der letzten zehn Jahre ist die Gruppe der neuen – oder wie sie die Studie nennt – der modernen Männer von 14 auf 23 Prozent gewachsen. Als „modern“ gilt, wer im Beruf nicht völlig aufgeht, sich Zeit für die Familie nimmt und den eigenen Gefühlen stellt. Zulehner macht auch auf eine interessante Entwicklung aufmerksam: Unter den jüngeren haben zwar – wie zu erwarten – die modernen Männer zugenommen, aber in dieser Altersgruppe gibt es auch mehr „Traditionelle“ als 1992. Unter den jüngeren Männern zeigt sich eine Polarisierung. Sucht man nach einem Bild für den neuen Mann, kommt man in Verlegenheit. Vielleicht zeigt das Werk (Abbildung rechts) von Michelangelo am besten, was mit dem neuen Mann gemeint ist: Die gelungene Verbindung von Kraft und Gefühl. Nur schade, dass die Marmorskulptur den Titel „Der sterbende Sklave“ trägt.