Ausgabe: 2003/45, Flüchtlinge, Milicevic, Ruzina, Bad Ischl, Kroaten, Bosnien
05.11.2003
- Ernst Gansinger
Ruzica Milicevic (Bild) ist die gute Seele der Integrationsarbeit in Bad Ischl.
Die Bad Ischlerin und gebürtige Kroatin Ruzica Milicevic, selbst Flüchtling, setzt sich für Flüchtlinge und Menschen aus anderen Ländern ein.
Ein Beispiel verdeutlicht, worum es der Kirchenzeitungs-Solidaritätspreisträgerin Ruzica Milicevic geht: Ein Vietnamese wurde aus der Bundesbetreuung entlassen. Er strandete am Bahnhof in Salzburg und wurde vorübergehend im evangelischen Pfarrhaus in Bad Ischl untergebracht. Frau Milicevic nahm sich seiner an und stand vielfach vor Mauern aus Paragrafen. Zäh verfolgte sie aber ihr Ziel. Der Vietnamese ist nun wieder in Bundesbetreuung. „Man hat das Gefühl, die Leute in Wien sehen die Menschen nicht, nur Zahlen und Fakten und schicken dich herum. Hätten wir die Ehrenamtlichen nicht und nicht die Kirchen, lebten tausende Menschen auf den Straßen ...“ Frau Milicevic musste selbst als Opfer des Krieges in Ex-Jugoslawien 1992 ihre Heimat verlassen. Das Studium der Soziologie hatte sie damals abgeschlossen, Journalistik konnte sie nicht mehr beenden. Sie floh, ohne ein Wort Deutsch zu können, nach Österreich zu ihrer Mutter, die seit langem in Bad Ischl arbeitet. Die erste Zeit in Österreich war schlimm. Nirgends ist sie hingegangen, malte Bilder, zeichnete und schrieb sich ihre Wut, Trauer und Enttäuschung von der Seele. Bei ihr ist alles gut gegangen, Dank der Hilfe von Mutter und Stiefvater. Schnell lernte sie Deutsch, dolmetschte bei Flüchtlingen, besonders bei Bosniern und Frauen, die ihre traumatischen Kriegserlebnisse erzählten.
Kroaten und Bosnier
In Bad Ischl lernte sie ihren Mann kennen, einen Kroaten, der im Krieg von Bosniern verwundet wurde. Sie heirateten und haben zwei Kinder. „Ich bin Kroatin und meine Kinder sind Österreicher.“ Eine Kroatin, die sich besonders um Bosnier annahm – bemerkenswert! „Ich kann Menschen nicht wegen ihrer Gruppenzugehörigkeit hassen“, sagt sie, eine religiöse Frau, die in Österreich die Bibel entdeckt hat und daraus Kraft schöpft.
1994 wurde sie bei der Volkshilfe als Flüchtlingsbetreuerin angestellt. Ob es um Lehrplätze für die Kinder ging, um Deutschkurse, um Behördengänge, ... sie war und ist für viele die erste Ansprechperson. Auch für alte Flüchtlinge im Altenheim Vöcklabruck.
Frauen einer Welt
Im Februar 2000 hat sie die Frauengruppe „Frauen einer Welt“ ins Leben gerufen. Die Frauen hatten damals Angst, welchen Weg Österreich gehen werde. Es war wichtig, darüber zu reden. Bis heute treffen sich bis zu 20 Frauen aus unterschiedlichsten Ländern, auch Österreicherinnen, alle vierzehn Tage. Seit heuer leitet Frau Milicevic das Volkshilfe-Integrationsbüro in Bad Ischl, ein Büro für alle Zugewanderten. „Sich integrieren bedeutet, Kontakte zu knüpfen.“ – Dies ist ihr ein wichtiger Leitsatz. Wenn Arbeit und Wohnen geregelt sind, sollten sich die Leute weiterentwickeln können. Daher startete am 5. November ein Computerkurs für ausländische Frauen. Das „Fest der Kulturen“ im Sommer ist ein besonderes Integrationserlebnis. Zum Gelingen tragen in- und ausländische Mitbürger/innen bei. Die Hilfsbereitschaft der Österreicherinnen lobt sie. Gratis Deutschkurse für türkische Frauen sind eine Frucht dieser Zusammenarbeit. Ab März 2004 werden solche Kurse in der Moschee stattfinden. Es gibt auch Förderkurse für Kinder nichtdeutscher Muttersprache.