In unsicherem Gelädne ist es gut, wenn man etwas zum Festhalten hat. Die Hand, nach der das Kind greift, wenn es Angst vor dem Fremden hat, das Seil am Berg, das Geländer neben der vereisten Treppe. Zuletzt auch: das Kreuz, wenn sich im Boden des Glaubens Unwegsamkeiten auftun. Den Streit um das Kreuz in der Schule gab es auch schon in Österreich. Zuletzt ist er in Italien entbrannt. Manche suchen Heil und Rettung im Kreuz, indem sie Kreuze nach genauen Vorschriften aufstellen (siehe Seite 3).
Angst soll man nicht einfach beiseite wischen. Gerade bei einem Kernsymbol des Glaubens ist es wichtig, genau hinzusehen. Nicht dem Symbol selbst gilt die Verehrung, sondern dem, worauf das Symbol hinweist. Das Kreuz lenkt den Blick auf Christus selbst. Und es sagt etwas darüber, wie er sich in der Beziehung zwischen Gott und den Menschen gesehen hat: sein Leben war ein Leben für die Menschen, ganz und gar, und bis zur Konsequenz des Todes am Kreuz.
Überall, wo Christen auf das Kreuz blicken, sollen sie den Blick zurück auf ihr eigenes Leben wenden: Bin ich bereit, in dieser Konsequenz mit Christus mitzugehen? Kreuze sind kein Programm, keine Werbemittel, schon gar keine Instrumente, mit denen man Präsenz und Stärke demonstriert. Das Kreuz ist immer ein „Für“ – für den Nächsten nämlich, nicht nur für uns oder nur für mich. In der Verunsicherung des Glaubens, in der Lebensangst – wenn etwa ein Kranker ein Kreuz umklammert. Es ist gut, denn er darf hoffen: Christus hält mich. Er ist bei mir.