Für die einen ist er immer noch ein anrüchiger Linker, für die anderen ein „Glücksfall“ für die Kirche: der neue Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Deutschlands, Wolfgang Huber.
Mit großer Mehrheit wählte die Synode der 24 evangelischen Landeskirchen Deutschlands den Bischof von Berlin-Brandenburg, Wolfgang Huber (61), zu ihrem Ratsvorsitzenden. Noch vor sechs Jahren ist er seinem Vorgänger Manfred Kock unterlegen. Der Mann der geschliffenen und klaren Worte galt vielen als zu progressiv und politisch zu links. Er sei zwar ein brillanter Intellektueller, aber ohne geistlichen Tiefgang, wurde ihm vorgehalten. Auch seine enge Verbindung mit der Friedensbewegung der 80er Jahre rechneten ihm manche als „Sündenfall“ an. Seither hat der Sohn einer angesehenen Juristenfamilie und dreifache Familienvater auch Skeptiker überzeugt. Als Bischof (seit 1994) schaffte er es, den Ost- und Westteil seiner Diözese zu einer Einheit zusammenzuführen und die Finanzen zu sanieren. Gemeinsam mit der katholischen Kirche focht er das Recht auf Religionsunterricht in den brandenburgischen Schulen durch. Als Mitglied des Nationalen Ethikrates ist Huber einer der profiliertesten Verfechter eines umfassenden Embryonenschutzes. Am Gelingen des Ökumenischen Kirchentages von Berlin hatte er großen Anteil. Wolfgang Huber gilt als hervorragender Sozialethiker und Theologe. Er steht für eine Kirche, die sich in die Gesellschaft einmischt. Das Eintreten für sozial Schwache und die Menschenwürde leitet er aus dem Evangelium ab. Dafür riskiert er auch Konflikte. Er gilt als engagierter und pragmatischer Ökumeniker.