Trotz eilig herbeigeschaffter Reservestühle hieß es für manche: Bitte stehen. Der akademische Tag anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Katholisch-Theologischen Privatuniversität zum Thema „Faszination Mystik“ wurde zum „Quotenhit“, was die Besucherzahlen betrifft. Nach dem kurzen Festakt mit Bischof Maximilian Aichern, Landeshauptmann Josef Pühringer und Bürgermeister Franz Dobusch ging es am 13. November gleich zur Sache.
Dass Mystik kein Thema von gestern ist, zeigte der junge Frankfurter Theologe DDr. Michael Hochschild. Es geht bei Mystik um mehr als um eine Mechanik des Wundersamen, meinte er. Wer sich Wundersames erwartete, wurde enttäuscht: Das Unfassbare, so Hochschild, erwartet den Menschen eher hinter der Maske der Normalität. Er ermunterte zu einer „Aussöhnung mit dem Gewöhnlichen“, das zum Vertrauten werden kann. Hochschild verwies auch stark auf das „spirituelle Gedächtnis der Kirche“, das es zu aktualisieren gelte. Was es mit „mystischer Versenkung“ auf sich hat, dazu sprach der indische Jesuit Dr. Sebastian Painadath. Spiritualität verbindet und verwandelt Menschen, meinte er in seinem Vortrag. Die Gläubigen sollen barmherziger werden – das gehöre zu jeder Religion, machte Painadath deutlich. Mystik ist also nicht ohne Bezug zum sozialen Handeln von Menschen zu denken. Weil das oft nicht genehm ist, werden Mystiker zum Schweigen gebracht und Propheten gesteinigt werden. Beim akademischen Tag war es nicht so. Bürgermeister wie Landeshauptmann versicherten, wie sehr man die Theologie in Oberösterreich brauche.