Die Art, wie Kirche um Aufmerksamkeit bei Menschen wirbt, die wenig mit der Kirche zu tun haben, hat unter Leserinnen und Lesern zu heftigen Reaktionen geführt. Eine Frage, die Menschen bewegt – so könnte man positiv auch die kritischen Reaktionen interpretieren. Wenn die diözesane Kampagne „Stell dir vor – Kirche“ tatsächlich dazu führt dass Menschen ihre Kirchenvorstellung zur Sprache bringen, dann ist viel geschehen.
Man muss sich das Gegenteil vor Augen führen: Stell dir vor – keine Kirche. Das wäre der Fall, wenn sich Menschen zwar philosophisch über den Sinn des Lebens unterhielten, sogar Göttern Opfer darbrächten, wenn dies aber sonst keine Auswirkung auf das Leben hätte. Stell dir vor – keine Kirche: Das hieße auch, dass viele Menschen in ihren Lebenssorgen allein blieben, dass noch mehr Arme übersehen würden. „ Jeder ist seines Glückes Schmied“, hieße dann das allgemeine Glaubensbekenntnis – und jeder dächte nur an sein eigenes Seelenheil. Schrecklich, diese Vorstellung!
Wenn es durch die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche ein Stück weit gelänge, dass Kirche vor allem eine Sache der Menschen ist, die nicht nur von Kirche reden, sondern ihren Glauben mit Leib und Seele zum Ausdruck bringen, wäre viel gelungen. Vielleicht müsste man sich neben den Plakaten Spiegel vorstellen, sodass man sich selbst mit dieser Frage sieht: Kirche – und wer bin ich darin? Da wäre es gut, wenn die Plakate als adventlicher Gewissensspiegel noch eine Weile hängen blieben. Aber dazu fehlt nun wirklich das Geld.