Marilsom Xavier hat als Stipendiat von „Sei so frei“ eine Landwirtschaftsschule besucht. Nun ist er zu Gast in Schlägl.
Insgesamt gefällt es ihm sehr gut in Schlägl, nur das Klima findet er reichlich kalt. Kein Wunder: Marilsom Xavier kommt aus einem Teil Brasiliens, wo tropische Bedingungen herrschen. Dafür spricht er von einer warmherzigen Aufnahme durch die Schüler/innen der Fachschule für biologische Landwirtschaft in Schlägl. Zu Hause in Brasilien hat Marilsom auch eine Landwirtschaftsschule besucht. Als eines von 13 Kindern einer Kleinbauernfamilie könnte er sich Unterkunft und Verpflegung an der Schule selbst nicht leisten. „Das kostet 150 Real. Meine Familie verdient 250 Real im Monat“, sagt er. Den Schulbesuch trotzdem ermöglicht hat ihm die Aktion „Sei so frei“ der Kath. Männerbewegung. Sie hat ihn mit einem Stipendium unterstützt.
In den ersten drei Jahren seiner Schulausbildung war Marilsom abwechselnd drei Wochen zu Hause, drei Wochen in der Schule. Seine Familie bewirtschaftet eine etwa fünf Hekta große Landwirtschaft im Dorf Cocao. Die Schule liegt rund hundert Kilometer entfernt. Dort hat Marilsom den Großteil der zweiten drei Jahre verbracht, wo es um einen Aufbaulehrgang ging. Am liebsten würde er jetzt studieren – Umweltschutz oder Forstwirtschaft. Ganz unpassend ist da der dreiwöchige Schnupperkurs in der Biolandwirtschaftsschule Schlägl nicht. „Marilsom kann vor allem bei den praktischen Lehrveranstaltungen mitmachen, wie beim Durchforsten“, erzählt Direktor DI Johann Mitterlehner. Auch nach der Schule hilft der Austauschschüler in der Landwirtschaft mit, in der er zu Gast ist. Dass das Vieh dort in einem Stall steht, war ihm aber neu: Bei ihm zu Hause gibt’s das nicht.
Der Dorfgemeinschaft und seiner Familie soll Marilsoms Schulausbildung zugute kommen, er möchte in jedem Fall in der Region bleiben. „Ich weiß aber, dass ich das nur im Team schaffe, Dinge zu verbessern“, sagt er. Auch in seiner Schule in Brasilien hat ökologische Landwirtschaft einen hohen Stellenwert. Darüber hinaus versucht die Schule, jungen Menschen Selbstbewusstsein zu geben, damit sie Visionen für ihr Leben entwickeln. Derzeit wird die Schule mit Spendengeldern aus Oberösterreich vergrößert, damit mehr Jugendliche Landwirtschaftsexperten wie Marilsom werden und wichtige Impulse in die Dörfer tragen. Die brasilianische Schulleiterin Janira Jesus Souza de Franca wird übrigens am Tag der offenen Tür der Schule für biologische Landwirtschaft ebenfalls in Schlägl zu Gast sein. Ob dann in Schlägl schon Schnee liegt? Zu hoffen wäre es, denn Marilsom kennt Schnee nur aus dem Fernsehen.
Tag der offenen Tür der Fachschule für biologische Landwirtschaft in Schlägl: So., 7. Dezember, 10 bis 16 Uhr.