Jede Partei hat etwas in der Art einer Zukunftsakademie. Gescheite Leute sollen frühzeitig die Trends erkennen, sie sollen die Kernthemen der Zukunft ausloten, um rechtzeitig Antworten und Strategien entwickeln zu können. Eine Organisation, die nur in die Gegenwart schaut, hat die Zukunft schon hinter sich.
Allen, die sich in Parteien und Interessensvertretungen zukunftsweisende Gedanken machen wollen, sei das Sozialwort der christlichen Kirchen empfohlen. Ein erstaunlich zeitgemäßes Wort werden sie finden. Es gibt in der Tat eine Grundrichtung an, in die auch die politischen Zukunftsdenker denken werden – wenn die Frage der politischen Durchsetzbarkeit nicht gleich den Weg abschneidet. Kein rasches Kompromisspapier haben die Kirchen mit ihrem Sozailwort vorgelegt. Sie formulieren unaufdringlich und konsequent, welche Fragen es nach Meinung der Kirchen zu bedenken und zu lösen gilt, damit überhaupt eine gute Zukunft möglich wird. Eine starke spirituelle Verwurzelung in Kernaussagen der Bibel macht diesen Versuch keineswegs lebensfremd, es macht ihn dringlicher. Nicht unrealistische Visionen wurden vorgelegt, sondern gangbare Wege werden aufgezeigt – wenn man sie gehen will. Gespannt darf man sein, wie nun die Einladung zum Dialog darüber aufgenommen wird.
Wer selbst dem Advent, vielleicht dem freien 8. Dezember – Tiefe geben will, könnte sich vornehmen, das Sozialwort zu lesen. Bischof Sturm hat es ja gesagt: Es geht um Menschwerdung.