Das Zweite Vatikanische Konzil verfolgte er ganz aus der Nähe – als Stenograf, später als Platzanweiser für eine Gruppe der insgesamt 2.850 Teilnehmer an diesem epochalen Kirchenereignis: Prof. Dr. Josef Michaeler, später Generalvikar von Brixen. Am 3. Dezember hielt er an der Theologischen Privatuniversität Linz einen Vortrag über das Konzil – genau am Jahrestag der Verabschiedung des Konzilsdokumentes über die Liturgie. Vor dem Konzil waren Bischöfe nur Befehlsempfänger einer vatikanischen Zentralbehörde. Sogar eine Befreiung vom Stundengebet aus Krankheitsgründen brauchte die Genehmigung von römischer Seite, selbst konnten Bischöfe nichts entscheiden. Durch das Konzil erhielten die Bischöfe viel mehr Handlungsspielraum. Diesen Spielraum nutzten viele Bischöfe jedoch nicht aus, meint Dr. Michaeler. Als eine „Katastrophe“ hätte er es empfunden, als Johannes XXIII. zum Papst gewählt wurde. Doch mit dem 77-jährigen Papst hat Gott in die Kirche die Reform hineingebracht. Dass der Geist Gottes weiterhin für Überraschungen gut ist, davon ist Dr. Michaeler überzeugt.