„Können die Kirchen je zueinander finden?“ war das Thema, zu dem die evangelische Oberkirchenrätin Hannelore Reiner und der katholische Dogmatikprofessor Walter Raberger im evangelischen Gemeindesaal Schwanenstadt sprachen.
Das Problem bei gemeinsamen Eucharistiefeiern liegt auf katholischer Seite, betonten die Referentin und der Referent. In der katholischen Kirche gilt das Amtspriestertum als Garant für eine gültig gefeierte Eucharistie, die durch die „apostolische Sukzession“ der Bischöfe und Priester gewährleistet wird. Da die evangelischen Kirchen nach römischer Auffassung nicht in dieser Sukzession stehen, könne auch die Eucharistie nicht „gültig“ gefeiert werden. „Das ist ein sehr formaler Standpunkt“, sagte Oberkirchenrätin Reiner, „er übersieht die Sukzession des Wortes und die bestehenden Heilszusagen Gottes.“ Die evangelischen Kirchen bieten eucharistische Gastfreundschaft und laden jeden Menschen ein, am Abendmahl teilzunehmen. „Denn Gott selbst ist es, der sich hier schenkt, wir dürfen niemand von diesem Heilsangebot aus-schließen“, sagte Reiner. Die evangelische Generalsynode in Österreich hat zuletzt diese Offenheit bestätigt.
Einigung trotz Differenzen
Professor Raberger zeigte mit Zitaten aus den Werken Martin Luthers und katholischer Konzilien auf, dass katholisches und lutherisches Verständnis der Präsenz Christi in der Eucharistie nicht unüberwindlich weit auseinander liegen. Viel größer sei hier die Trennung zwischen den protestantischen Kirchen untereinander, etwa zu den reformierten. Obwohl es keine Einigung gebe, hätte man innerhalb der protestantischen Leuenberger Kirchengemeinschaft – ihr gehören weltweit 103 Kirchen an – eine gegenseitige Anerkennung von Abendmahl und Weihen erreicht. Bislang habe man in der Ökumene den Konsens unterstrichen, in den letzten Jahren geht der Weg hin zu einer „Differenzökumene“: Die Unterschiede in Tradition und Identität der Kirchen werden bewusst wahrgenommen und als legitime Ausdrucksformen des Glaubens anerkannt. Einheit in „versöhnter Verschiedenheit“ ist ein neuer Weg, das Evangelium in dieser Welt glaubwürdig zu verkünden. Mit Resignation verfehlen die Kirchen ihre Sendung, wie sie im Vermächtnis Jesu ausgesprochen ist: „Lass sie eins sein, damit die Welt glaube, dass du mich gesandt hast.“