Vor kurzem feierte der Dachverband der österreichischen Hospizbewegung sein zehnjähriges Bestehen. 5000 Sterbende wurden allein im vergangenen Jahr auf ihrem letzten Wegstück begleitet.
Zwei Jahre gingen Sr. Hildegard Teuschl und ein kleiner Freundeskreis mit der Idee hausieren, bevor in Wien 1989 das erste mobile Hospizteam zur Begleitung unheilbar kranker Menschen gegründet werden konnte. „Dass wir dringend etwas tun müssen, um den Sterbenden und ihren Angehörigen medizinisch, pflegerisch und menschlich besser beizustehen, war uns klar. Wie es gehen könnte, haben wir uns bei Einrichtungen der Hospizbewegung in England, Frankreich und Deutschland angeschaut. Zu- nächst aber fand sich kein Träger, der mit uns das machen wollte“, erinnert sich Teuschl.
Preis als Startgeld
Eine „Fügung“ kam der Gruppe um den Arzt Franz Zdrahal und der Caritasschuldirektorin Hildegard Teuschl zu Hilfe. „Wir hatten ein Projekt entwickelt, wie man den Wunsch der meisten Menschen, im Kreis der Familie zu sterben, unterstützen könnte. Kardinal König und Rudolf Kirchschläger haben dieses Konzept für einen Familienpreis vorgeschlagen, den der Fürst von Liechtenstein ausgeschrieben hatte. Wir bekamen den Preis und damit das Startgeld von 800.000 Schilling. Meine Schwesterngemeinschaft (Caritas Socialis) legte noch einmal eine halbe Million dazu. Daraufhin nahm uns die Caritas Wien unter ihre Fittiche und wir konnten beginnen.“
Von Anfang an waren im Team Krankenschwestern, Ärzte und viele Freiwillige dabei, die bereit waren, die Sterbebegleitung zu übernehmen. „Viele Mitarbeiter/-innen der ersten Stunde haben ihre Ausbildung noch in England gemacht, bis wir begonnen haben, Sterbebegleiter/-innen selber auszubilden“, erzählt Teuschl.
Antwort auf Not der Zeit
„Was wir gemacht haben, war eine Antwort auf die Not der Zeit“, meint Teuschl. Das zeige sich auch darin, dass damals innerhalb kurzer Zeit in vielen Bundesländern die ersten Teams der Hospizbewegung gegründet wurden. Teuschl nennt mehrere Gründe, die diesen Hospizschub ausgelöst haben: „Menschen, die nicht mehr heilbar waren, wurden (und werden noch immer) von der hoch spezialisierten Medizin abgeschoben und allein gelassen. Die kleiner werdenden Familien sind oft überfordert, um unheilbar Kranke oder die durch das hohe Alter wachsende Zahl schwerer Pflegefälle zu betreuen. In einer Gesellschaft, wo Gesundheit, Jugend und Flexibilität das Ideal sind, wird Belastung-Sein und Kostenfaktor-Sein zu einem großen Problem. Der schwindende Auferstehungsglaube macht es vielen schwer, eine Lebensphase noch als sinnvoll zu empfinden, wo ich für das Jetzt nichts mehr herausholen kann, wo meine Zukunft auf den Tod zugeht.“ Gegen diese Trends versuche die Hospizbewegung das Sterben wieder ins Leben zurückzuholen, als zu gestaltenden Teil des Lebens zu sehen. „Es geht ihr zunächst um die Haltung, dass das Machen seine Grenzen hat und dass es in der letzten Lebensphase vor allem darauf ankommt, Sterbende und ihre Angehörigen ein Stück zu begleiten“, betont Teuschl. Ziel der Hospizarbeit ist die bestmögliche Lebensqualität der Patienten und Angehörigen. Dazu gehört auch eine optimale Schmerz- und Symptombehandlung (oft in Zusammenarbeit mit Hausärzten und Pflegediensten) sowie die Berücksichtigung sozialer, psychischer und geistlicher Aspekte.
Eine Erfolgsgeschichte
Noch bevor es überall Landesverbände gab, wurde 1993 Hospiz Österreich als Dachverband gegründet. „Das war ein ganz wichtiger Schritt, um sich gegenseitig weiterzuhelfen. Nicht jeder muss das Rad neu erfinden“, meint Hildegard Teuschl, die seither Vorsitzende ist. Sie kann auf eine Erfolgsgeschichte verweisen, an der viele mitgeschrieben haben: Es gibt heute 80 ambulante und 21 stationäre Hospizdienste in allen Bundesländern mit 1300 ehrenamtlichen und 70 hauptamtlichen (auch Teilzeit) Mitarbeiter/ -innen. In allen Bundesländern gibt es Kurse für Sterbebegleitung, in Wien, St. Pölten, Batschuns, Salzburg und Linz werden interdisziplinäre Palliativ-Care-Ausbildungen angeboten. Dabei sitzen Ärzte, Pfleger/-innen, Sozialarbeiter, Seelsorger oder Juristen gemeinsam auf der „Schulbank“, denn „Hospizarbeit braucht die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Bereiche“, betont Teuschl. „Die Kurs- und Praxiserfahrungen überzeugen sogar die Anfangs eher skeptischen Ärzte.“
Für die Zukunft erhofft sich Teuschl die Integration der Hospizpraxis (Palliative Care) in möglichst allen Pflegeinrichtungen und Spitälern und die Aufnahme der Hospizarbeit in die Regelfinanzierung des Gesundheitswesens. Derzeit sind viele ambulante Dienste auf Spenden angewiesen, und bei den Stationen gibt es Probleme mit den Spitals- oder Pflegefinanzierungsvorgaben.