Die Voest-Privatisierung war noch vor wenigen Wochen Hauptthema der politischen Auseinandersetzung in Österreich. Der Streit darum hat in der Folge Oberösterreichs politische Landschaft deutlich umgeformt – so interpretieren es die Meinungsforscher im Nachhinein. Jetzt ist es erstaunlich ruhig um die Voest geworden.
Eine der Hallen des bedeutendsten österreichischen Industriebetriebes wurde letzten Sonntag zur Kirche umgewandelt, als Gottesdienst gefeiert wurde. Früher wäre das kaum möglich gewesen. Betriebsleitung und Belegschaft standen sich beinhart gegenüber, beide für sich stark genug, um sich Gefechte zu liefern.
Früh haben die Betriebsseelsorger in der Voest gewusst: Um wirklich für die Menschen da zu sein, muss man mit beiden Seiten das Gespräch suchen. Belegschaft, Unternehmensleitung und Betriebsseelsorge in der Voest ziehen in den Hauptanliegen an einem Strang. „Wir sitzen im selben Boot“, formulierte es Voest-Pfarrer Rupert Granegger. Die Gefahren wurden in der Folge außen vermutet. Doch statt voreilig neue Feindbilder zu entwickeln, gilt es zu bedenken: Die Wellen, von denen das gemeinsame Boot erschüttert wird, sind jene des Weltwirtschaftsmeeres. Es ist eine Frage der Winde, die auf diesem Meer geblasen werden – und ob in diesen kalten Winden der wärmende Wind der Moral überhaupt noch eine Rolle spielt. Was im Voest-Boot gelungen ist, wäre dringend in der ganzen Wirtschaftswelt nützlich. Eine gemeinsame Sicht. Die Kirchen haben im Sozialwort genau zu diesem Thema einiges vorgelegt.