Das Evangelium bietet oft mehr als nur einen Zugang, oft haben verschiedene Menschen auch ein verschiedenes Verständnis von einer Evangelienstelle und lassen sich vom Wort Gottes sehr persönlich ansprechen: weil sie verschiedene Lebenserfahrungen haben oder weil sie mit dem Evangelientext eine gelesene, gehörte oder gar erlebte Geschichte verbinden können. Eine „Messe zum Mitreden“ findet jeden zweiten Samstag im Monat um 19 Uhr als Sonntagvorabend-Gottesdienst in der Pfarre Wels-Heilige Familie (Vogelweide) statt – und das schon seit 1977. „Es ist eigentlich eine ganz normale Messe“, sagt Pfarrer Msgr. Johann Bachmair. „Wir suchen Lieder passend zum Sonntagsevangelium aus, welches der Diakon oder ich lesen.“ Aber was dann kommt, ist etwas Besonderes: Statt einer Predigt kann jede/r aus der Gottesdienstgemeinde zu Wort kommen. Es wird gemeinsam das Evangelium diskutiert und besprochen. „Ausgangspunkt ist immer eine Impulsfrage“, sagt Bachmair. „Es ist ein Geben und ein Nehmen für jeden, der dabei ist“, beschreibt Pfarrblattredakteurin Erika Kinast die Situation. Auch bei den Fürbitten kann jeder seine persönlichen Wünsche und Formulierungen vorbringen – kann, und nicht muss, lautet die Devise. Nach der Messe treffen sich die Teilnehmer/innen noch zur Agape und zum gemütlichen Gespräch – das gehört nämlich auch dazu.