Nach Konrad Lorenz nun Julius Wagner von Jauregg: Bei welchem österreichischen Nobelpreisträger wird man noch eine „braune Vergangenheit“ finden? Ist es das Werk böswilliger Historiker, die nichts Besseres zu tun haben, als „großen Österreichern“ ihre verdiente Anerkennung streitig zu machen? Oder handelt es sich um notwendige Aufklärung über die Vergangenheit?Aufklärung tut Not – gerade in Österreich, wo man dazu neigt, große Künstler, Sportler und Wissenschaftler zu Lichtgestalten hochzustilisieren und eifersüchtig darauf zu achten, dass sie uns niemand streitig macht.
Statt mit gekränktem Nationalstolz Verteidigungen aufzurichten, die wir ohnehin nicht halten können, sollten wir uns vielmehr den dunklen Flecken der Vergangenheit stellen – Wagner-Jaureggs und unserer eigenen. Die rasche Umbenennung des Krankenhauses wäre eher ein zwanghafter Reflex und erneuter Ausdruck von Verdrängung. Vielmehr könnte der Name Wagner-Jauregg ein Symbol dafür werden, dass selbst ein brillianter Wissenschaftler und Nobelpreisträger (1927) eine sehr dunkle Seite haben konnte und Kind seiner Zeit war.