Ministrieren war vor der Liturgiereform durch das Zweite Vatikanische Konzil anspruchsvoller als heute. Doch man war stolz, Ministrant zu sein.
„Als ich das erste Mal ministriert habe, war das gar nicht am Hauptaltar, sondern an einem Seitenaltar“, sagt Otto Ransmayr, pensionierter Pfarrer in Pabneukirchen. Der Seitenaltar, an dem er ministriert hat, war in der Kirche der Jesuiten am Linzer Freinberg und es muss, so erinnert sich der heute 75-jährige, 1939 oder 1940 gewesen sein.
Ministrant sein vor der Liturgiereform des Zweiten Vatikanums bedeutete auch für die Ministranten andere Aufgaben. Vor allen Dingen mussten sie einige Gebete auswendig auf Latein hersagen können. Zu Beginn der Messe hatten sie auf die Worte des Priesters „Introibo ad altare Dei“ (Zum Altar Gottes will ich treten) mit „Ad Deum, qui laetificat iuventam meam“ (Zu Gott, der mich erfreut von Jugend auf) zu antworten.
„Bei den Jesuiten gab es einen Pater Ecker, ein älterer Herr, der uns Ministranten eingeschult und die Gebete abgeprüft hat“, erzählt Pfarrer Ransmayr. In einem Heftchen standen die Texte zum Lernen. Wie man es ausspricht, sagt er: also Laudazio statt Laudatio.
„Als Ministranten hatten wir natürlich unseren Stolz: Wir Buben haben lateinisch reden können“, sagt der Priester und fügt hinzu: „Auch wenn wir es nicht verstanden haben.“ Das komplizierteste Gebet war das Suscipiat. Ministranten, die es nicht ganz genau auswendig wussten, haben es leise gesprochen und am Ende laut „Sanctae“ gesagt, damit der Priester wusste, wo es weitergeht.
Frühstück als Lohn
Da es früher meist weniger Ministranten gab als heute, war man öfters dran. „In der Adventzeit bedeutete das für uns, dass wir um sechs Uhr bei der Rorate ministriert haben, dann frühstückten und schließlich zur Schule gegangen sind“, sagt Ransmayr. Ab und zu konnte er auch bei den Jesuiten frühstücken. Das war der einzige Lohn für Ministranten, an den er sich erinnern kann. Anderswo gab es schon eine kleine Entschädigung: So kann sich Rupert Mayrhofer aus Rohrbach erinnern, dass sein Bruder ein paar Pfennige verdiente, die er für Bastelmaterial ausgab. Bei Patzern beim Ministrieren konnte es aber auch Ohrfeigen geben.
Kleine Streiche scheinen seit je zu den Ministranten zu gehören. „Wir haben im Hof der Jesuiten gelagerte Fensterscheiben mit Steinen eingeschossen“, sagt Pfarrer Ransmayr heute. „Bei der für die Ministranten üblichen allmonatlichen Beichte hat uns dann der Pater Minister danach gefragt.“ Mit dem Sakristan hatten die Ministranten eine gute Beziehung: Er hat ihnen immer wieder Zigaretten gegeben. „‚Raucht nur Buben, bis euch schlecht wird‘, hat er gesagt. Nur wenn er einen vor der Messe beim Rauchen erwischt hat, ist er zornig geworden“, erinnert sich Ransmayr. Daneben gehörte auch ein Gebet, das man auf einer Betbank in der Sakristei sprach, zur Vorbereitung auf die Messe.
Ob seine Ministrantenzeit eine Vorbereitung auf seine Priesterberufung war? „Es war sicher ein erster Schritt“, meint Otto Ransmayr: „Es war eine schöne Zeit, wir haben uns beheimatet gefühlt.“