Gut drei Monate, dann ist Österreich im Bezug auf die Europäische Union Binnenland. Das Projekt „Mitteleuropäischer Katholikentag“ versucht, auch kirchlich diese Erweiterung mitzuvollziehen. Um den 22. Mai soll das in Mariazell deutlich werden. Zehntausende werden aus den mittelosteuropäischen Ländern erwartet, um zusammen mit den Katholiken Österreichs die größere Gemeinsamkeit zu feiern und zu stärken.
Die Erweiterung der Europäischen Union ist jedoch nicht nur eine Frage der neuen Außengrenzen. Es braucht auch die Erweiterung nach innen. Das Auto mit tschechischem Kennzeichen begegnet einem in Linz. Menschen aus Beitrittsländern leben – oft schon lange – in Städten und Dörfern Österreichs, in den Ferienorten. Die Grenze, an die sie da stoßen, ist nicht die streng bewachte Schengengrenze. Es ist die Grenze, an der sie menschlich abgewiesen werden, wo man sie vielleicht toleriert, sich aber für ihr Leben nicht interessiert. Ein Bürger aus einem Ostland gerät, wenn er denselben Wohlstand genießt wie ein Durchschnittsösterreicher, schnell in Verdacht, dass etwas bei ihm nicht ganz in Ordnung sein kann.
Verhältnismäßig leicht sind Passkontrollen an Staatsgrenzen vereinfacht oder abgeschafft. Im Kopf können sie noch lange weiterbestehen. Deshalb ist es gut, wenn die Erweiterung auch als ein religiöser Prozess verstanden wird, als eine Glaubensherausforderung. Nur wer seine eigenen, in ihm selbst liegenden Schranken öffnet, wird erleben, was damit an Neuem möglich geworden ist.