„Sobald die Vertrottelung innerhalb der Bevölkerung die 50-Prozent-Marke überschritten hat, sind immer die anderen die Trottel“, ist im Profil vom 26. Jänner in Bezug auf Casting- und Reality-Shows zu lesen. Witzig, zynisch und traurig zugleich. Ich musste an das 92er Album von Roger Waters denken, kramte es aus der Plattenkiste heraus und legte es auf. Obwohl schon über zehn Jahre alt, hat „Amused To Death“ noch mehr an Aktualität gewonnen. In opulenten 72 Minuten entwirft der ehemalige Pink-Floyd-Frontman ein düsteres Bild über unsere Konsum- und Vergnügungsgesellschaft: Er erzählt von falschen Göttern, eigenartigen Wundern, dass du selbst am Ende der Welt noch „Pepsi“ und „McDonald’s“ findest, der Akzeptanz von und der Abstumpfung gegenüber Gewalt, die uns tagtäglich aus den Fernsehschirmen entgegenflimmert. Beklemmung bleibt zurück, während noch die letzten Worte von Waters in den Ohren des Hörers nachhallen: „No tears to cry / No feelings left / This species has amused itself to death / Amused itself to death“. Und Neil Postman grüßt aus dem Jenseits!
Roger Waters – Amused To Death (erschienen bei Columbia)