Er gilt international als Experte für die katholische Soziallehre. Vergangene Woche sprach Diarmuid Martin bei derÖsterreich-Tagung zum Mitteleuropäischen Katholikentag.
„Ich bin kein Magier der mit Worten spielt. Mein wichtigstes Instrument ist das Vertrauen.“ So redet Diarmuid Martin über sich und seine Arbeitsweise. Auch wenn der Spitzendiplomat, zuletzt war er bei der UNO in Genf, wieder in seiner Heimat ist. Doch vieles hat sich in den 30 Jahren außerhalb Irlands verändert. Das hat der angehende Erzbischof von Dublin schon in den ersten vier Monaten erfahren. Missbrauchsskandale und die Säkularisierung fordern die Kirche heraus. Dabei setzt Martin auf Glaubwürdigkeit, die „täglich neu gewonnen werden muss“. Dazu gehört für ihn eine Soziallehre der Kirche, die er sehr anschaulich darstellt. Für jede Frage hat Martin ein konkretes Beispiel parat. Dieses ist entweder aus eigener Erfahrung oder die Tatsache lässt auf regen Kontakt zu Menschen schließen.
Dass im Dubliner Arbeiterviertel beispielsweise Diarmuid und sein Bruder die einzigen waren, die eine Matura machen konnten, sei einfach: „Warum soll dort Intelligenz weniger oft vorkommen als in anderen Stadtteilen? Bei uns hatte sonst niemand die Chance zur Bildung.“ Die Zeit als Koadjutor nutzt er, um das Leben im heutigen Dublin kennen zu lernen. Tourt mit denen durch die Nacht, die den 4000 Obdachlosen in Irlands Hauptstadt helfen. Deren Vertrauen gewinnt er ebenso wie das der Diplomaten. In Genf wollten ihn nach nur zwei Jahren 105 Botschaften zum Abschied einladen.