Ausgabe: 2004/14, Stille, Kardinal, König, Aichern, Predigt
30.03.2004
- Matthäus Fellinger
„Verzeihen Sie, aber heute gibt es keine Tischmusik“, entschuldigte sich der Gastwirt am Samstag in der Wiener Innenstadt, als sich zwei Oberösterreicher, die zum Begräbnisgottesdienst für Kardinal DDr. Franz König gekommen waren, zuvor noch stärken wollten. Auf diese Weise hat der Gastwirt seinen Respekt vor „seinem“ verstorbenen Erzbischof zum Ausdruck gebracht. Eine Atmosphäre der Stille hat er so möglich gemacht, die ganz bestimmt dem Willen des Verstorbenen entsprochen hat, der sich ein möglichst schlichtes Begräbnis gewünscht hatte. Ein schlichter Gedenkgottesdienst war schon am Freitagabend im Linzer Dom gefeiert worden. Die Bruckner-Musik verleiht ihm trotzdem Feierlichkeit. In seiner Predigt erzählte Bischof Aichern auch von menschlich berührenden frühen Begegnungen mit Kardinal König. Einmal hat der Kardinal dem jungen Ordensmann Aichern seine Torte zugeschoben und gemeint: „Ich schau eh schon gut aus.“ Nicht nur die kirchenpolitisch bedeutsamen Ereignisse, auch die alltäglichen Verhaltensweisen sind es, die Größe ausmachen. König war ein Mensch, der mit Worten, aber auch nur mit einer Torte Freude machen konnte.