Seit der Wende betreibt der Orden Don Boscos ein Jugendzentrum in Budweis. Die Jugendarbeit ist offen in einer Gesellschaft, die zu drei Viertel konfessionslos ist.
Eine Pfarre in jenem Teil von Budweis, der auf der anderen Seite der Moldau liegt: in einer Wohngegend. Eine Gruppe Kinder versammelt sich mit Fahrrädern zu einem Ausflug mit einem Salesianerbruder. Ob sie getauft oder auch nur katholisch sind, fragt niemand. „Jeder kann kommen“, sagt P. Dr. Michal Kaplánek und umschreibt so das Konzept der offenen Jugendarbeit, welches die Salesianer hier anwenden. In einer Gesellschaft, die zu drei Viertel konfessionslos ist, wie in Tschechien, scheint dies eine Alternative zum Rückzug auf die kleine Herde zu sein. Das Ziel der offenen Jugendarbeit ist es mitzuhelfen, damit das Leben der Jugendlichen gelingt. „Wir Christen sehen ein gelungenes Leben in mehr als nur materieller Sicherheit. Mit unserem offenen Ansatz geraten wir auch in Konflikt mit Diözesen“, berichtet Kaplánek. „Aber Evangelisierung ist mehr als Predigen. Es geht auch um das Klima und die Werte in einer Gesellschaft. Es ist auch Pastoral, die Menschen offen in Berührung mit dem Evangelium zu bringen.“ Natürlich bestehe die Gefahr, nur Sozialarbeit zu machen, daher brauche die offene Jugendarbeit Menschen, die ihren Glauben teilen möchten. Elf Mitarbeiter/innen hat das Jugendzentrum, das vom Staat mitfinanziert wird. Neben der offenen Jugendarbeit gibt es den Club mit Discos, Filmabenden und dreißig verschiedenen Hobbygruppen: vom Klettern über Töpfern, Computerkurs, Musik u. v. m. Von der Einrichtung beeindruckt die Kletterwand und das (schallgeschützte) Musikzimmer. Vom Keller bis in den ersten Stock erstrecken sich die Räume des Jugendzentrums. Budweis ist einer von drei Orten, wo die Salesianer auch mit jungen Roma arbeiten. „Es gibt eine Art Rassismus hier gegen die Roma, ihre soziale Situation wird immer schlechter“, sagt P. Kaplánek. „Da haben wir auch eine erzieherische Aufgabe, gerade hier in der Pfarre, wenn die Kirchenbesucher sehen: Die Salesianer arbeiten mit den Roma.“