In diesen Tagen erleben wir das Aufblühen und Grünen der Natur. Wir freuen uns daran – und wir wissen inzwischen auch, dass es eine intakte Natur nicht zum Nulltarif gibt. In den vergangenen Jahrzehnten hat Österreich durch Gewässerschutz und Luftreinhaltemaßnahmen, durch den Ausbau der biologischen Landwirtschaft und höhere Energiesteuern einiges für eine gesunde Umwelt getan. Die „kleinen Leute“ haben dazu genauso ihren Beitrag geleistet wie die Unternehmen. Nun soll diese bewährte Koalition des Gemeinwohls – wie schon bei der Steuer und dem Beitrag für die Grundvorsorge – weiter durchlöchert werden. Die Wirtschaft lastet ihren Beitrag zum Klimaschutz den „Normalbürger/-innen“ auf.
Hans Baumgartner
Weiter wegschauen
Es waren 100 Tage der Gewalt, die eine ganze afrikanische Nation zerstört haben. Seit April 1994 steht Ruanda für das Wort „Völkermord“. Da hilft es wenig, dass zum zehnten Jahrestag die Regierung in Kigali die offizielle Opferzahl von 800.000 auf 937.000 korrigiert hat. Die Aufarbeitung der Geschichte macht kaum Fortschritte. Nach wie vor hat das internationale Strafgericht in der tansanischen Stadt Aruscha kaum etwas für die Aufklärung und Sühung dieses Völkermordes bewegt. Noch beschämender sind jedoch nach ihrem Versagen die Reaktionen der Staatengemeinschaft ausgefallen. Vor zehn Jahren war eine Bevölkerung massakriert worden, weil sie für die Großen der Welt nicht wichtig genug war. Eine Sicht, die sich seither kaum verändert hat: im Sudan oder in Uganda werden auch heute Tausende getötet. Doch zum zehnten Jahrestag des Völkermordes in Ruanda übt sich die Welt weiter im Wegschauen.