Nach Osten zu haben Christen seit den frühen Zeiten ihre Kirchen gebaut – der aufgehenden Sonne zu. Das nämlich ist die Blickrichtung des Gaubens: dem Aufgang der Sonne zu, nicht ihrem Untergang. Mit der Sonne meinten sie Christus. Ostern hat in der Tat mit dieser Ostrichtung, mit dieser auf Aufgang, Hoffnung und Erlösung hin orientierten Grundrichtung des Glaubens zu tun.
Selbstverständlich. Es ist mit dieser östlichen und österlichen Richtung weniger die Geographie gemeint als vielmehr eine innere Grundrichtung angedeutet. Christen leben auf vollendetes Leben zu. Es gäbe viele andere Glaubensrichtungen – etwa der Glaube an die Auflösung in einem Nichts, ein Abfinden mit einer letztendlichen Sinnlosigkeit. Die Richtung des Glaubens ist konkret und spricht von Auferstehung.
Im Jahr 2004 hat der Blick nach Osten, auf Ostern zu, eine weitere Sinnrichtung. Die „Osterweiterung” steht bevor. Der Blick nach Osten kann nicht über die Menschen hinwegsehen, die in dieser Richtung leben – in den unmittelbar benachbarten „Beitrittsländern“, in den weiter entfernten Ländern, deren Beitritt, sagt man, die Europäische Union noch nicht verkraften würde, die Menschen im „Nahen Osten“ schließlich, der doch so weit vom Frieden entfernt ist. Dort hat Jesus gelebt, ist gestorben und auferstanden. Der Blick nach Osten führt von der Sorge um sich selbst weg und wird zur Mitsorge. Da wird es nicht nur um die Frage nach dem Tausch von Gütern gehen, sondern ob Menschen auch Hoffnung teilen werden.