Mein, dein, sein, ihr, sein, unser, euer, ihr. Einmal gelernt verschwinden sie nicht mehr so leicht aus dem Gedächtnis. Es sind, sagte man uns im Deutschunterricht, die „besitzanzeigenden Fürwörter“. In der modernen Welt sind sie fast zu den Hauptwörtern des Lebens geworden, beschreiben sie doch, wem was gehört. Ein Gutteil menschlicher Streitereien dreht sich um dieses „Mein, dein, sein, ihr, sein . . .“. Wer nicht zwischen mein und dein unterscheiden kann oder will, gilt gar als verdächtig.
Näher betrachtet müsste einem schon die Bezeichnung „besitzanzeigende Fürwörter“ verdächtig erscheinen. Das kleine Wörtchen „für“ hat es nicht verdient, dass man es in die Gefangenschaft des Besitzens nimmt. Im Begriff der „Fürsorge“ wäre das Wort viel besser aufgehoben – bei der Sorge für jemanden statt bei der Frage, was jemandem gehört. Im Abstandnehmen von Besitz und Anspruch kommt das „Für“ zu seiner echten Geltung.
Will man die Sprache unter nachösterlichen Gesichtspunkten betrachten, erweist sich die zur Debatte stehende Wortkombination als ziemlich unverträglich, aber andererseits doch wieder als fruchtbar. Das „für“ tendiert danach, sich zu verschenken, für jemand dazusein. Der Besitz will sich behaupten. Der Christ in mir sagt: Hoffentlich gewinnt das „für“. Der menschliche Selbstbehauptungstrieb favorisiert den Besitz. Wer Ostern miterlebt hat, wird dem Wort „für“ ein wenig bestimmter zur Seite stehen, wenn es im eigenen Inneren mit dem Besitzenwollen ringt.