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Ola ist auferstanden

Eine Passions- und Ostergeschichte aus dem Land Jesu
Ausgabe: 2004/16, Ola, Ostergeschichte, Enzenhofer, Höhle
14.04.2004
- Sr. Hildegard Enzenhofer, Beit Emmaus, Palästina
Von Sr. Hildegard Enzenhofer aus dem Dorf Emmaus in Palästina kommt ein besonderer Ostergruß: Es ist die Leidens- und Auferstehungsgeschichte Jesu im Jahr 2004, die sich in der jungen Frau Ola fortsetzt.

Ola ist achtzehn Jahre alt und weil sie angeblich behindert war, musste sie sechzehn Jahre in einer Steinhöhle verbringen, gehalten und gefüttert wie ein Tier ohne Kleider, nur eine Decke war ihr Schutz. Seit zwei Wochen ist sie bei uns, wiegt 26 kg und hat die Größe eines achtjährigen Kindes.
Die Organisation „Palestinian Medical Relief“ machte uns auf das Leben dieser Frau aufmerksam und bat uns zu helfen. Sr. Myriam, Maria, die Stationsleiterin, und ich machten uns am 2. März auf den Weg, um sie zu sehen und vor allem mit der Familie zu sprechen.
Zwei Sozialarbeiterinnen begleiteten uns. Sie brachten uns über hohe Steinstufen ins Tal zu einem winzigen Häuschen, das wie ein Schwalbennest am Berghang klebt. Scheu wirkte die Mutter bei der Begrüßung und unsicher waren wir. Es gab keine Sitzgelegenheit in dem – zu unserem Erstaunen – sauberen Haus. Lange saßen wir am Boden und warteten. Wir hörten, dass der Vater der fünf Kinder behindert ist und ebenfalls der Sohn, den wir sahen. Mehr erfuhren wir nicht.
Die Mutter schickte den Sohn ins Dorf, um Kaffee und Tassen zu holen, damit sie uns etwas anbieten konnte. Welche Armut!

Nach mehr als zwei Stunden war die Mutter bereit, uns zur Höhle zu führen, wo ihre Tochter gehalten wurde. Nicht einmal eine Tür gab es, nur ein kleines Holzfenster, das sie öffnete. Bestialischer Gestank war die erste Begegnung, dann sahen wir ein blasses Kindergesicht mit angsterfüllten Augen. Mit den Lauten eines Tieres verschwand sie unter einer Decke, dem Einzigen, was ihren Körper schützte.

Die Behausung von Ola war eine Steinhöhle, kalt, ohne Licht und Luft. Durch die kleine Öffnung bekam sie das Essen und wöchentlich leerte die Mutter einen Kübel Wasser für die Reinigung hinein. Für uns unvorstellbar, wie man so überleben kann.
„Ich vertraue euch Ola an“, sagte die Mutter ganz leise, umarmte und küsste mich. Zwei Wochen nach diesem Besuch kam Ola in unser Haus.
Scheu war sie die ersten Tage und immer wieder suchte sie Schutz unter ihrer Decke. Wie sie sich wohl in Kleidern fühlt? Ola fordert uns Tag und Nacht, denn wir können sie, wenn sie wach ist, keine Minute allein lassen. Ihr Verhalten ist das eines Tieres, das 16 Jahre lernte, in einer Höhle zu überleben. Aber Ola macht große Fortschritte: Wir können ihr bereits das Essen mit einem Löffel geben, sie auf eine Toilette setzen, sie lässt Nähe zu und ab und zu streicht sie mit ihren zarten Händen über unsere oder führt sie an ihr kleines Gesicht.
Große Ehrfurcht habe ich vor den Ikonen der Ostkirche, weil sie Heiliges ausstrahlen. Lebendige Ikonen – wie Ola – haben wir in unserem Haus, wir umarmen und küssen und lieben sie in das Leben.
An dieser Auferstehung mitwirken zu dürfen, ihre Zeugen zu sein, ist ein großes Ostergeschenk, das wir gerne auch mit allen Menschen teilen.

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