Zum vierten Mal findet am 22. April der Girl’s Day statt: Mädchen sollen aufgerufen werden, Berufe jenseits der Tradition zu ergreifen, Eltern und Betriebe sollen umdenken.
Mehr als die Hälfte aller Studienrenden in Österreich sind Frauen – außer bei den technisch-naturwissenschaftlichen Studien: Da sind es in Linz zum Beispiel nur etwas mehr als ein Viertel. Und das ist schon ein verhältnismäßig guter Wert. Vor mehr als 100 Jahren kam eine technische Pionierin an die Universität: Marie Curie. Sie war eine von 23 Frauen bei 1.825 Studenten insgesamt. Marie Curie war als Frau in der Technik erfolgreich trotz der Schranken ihrer Zeit. Heute sind diese zwar nicht mehr so hoch, aber sie bestehen immer noch: in den Köpfen der Menschen. Zaghafte Aufbrüche gibt es: „Innerhalb von nur vier Jahren hat sich der Anteil der Mädchen an den Studien der Technisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Uni Linz von 14 auf 27 Prozent erhöht“, sagt Bildungs- und Wirtschaftslandesrat Viktor Sigl. Initiativen wie „Frauen in die Technik“, und der vierte Girl’s Day am 22. April sollen dafür sorgen, dass mehr Mädchen technische Berufe wählen. „Das sind die Berufe der Zukunft“, sagt Frauenlandesrätin Dr. Silvia Stöger im Gespräch mit der Kirchenzeitung. Mädchen wählen wenige dieser Berufe: Mehr als die Hälfte entschieden sich bei der Lehrstellenwahl für typische „Frauenberufe“ wie Bürokauffrau, Einzelhandelskauffrau und Frisörin, obwohl 300 Lehrberufe möglich wären. Nachteile bei Arbeitsplatzsuche, Weiterbildung und Verdienst sind die Folge. Mit dem Girl’s Day wird es interessierten Schülerinnen ermöglicht, Schnupperplätze bei Firmen jenseits der „Frauenberufe“ aufzusuchen. „Rund 240 Betriebe beteiligen sich heuer, das bedeutet eine Steigerung um 45 Prozent“, sagt Stöger, die den Girl’s Day auch als Impuls für die Wirtschaft versteht: „Wir gehen davon aus, dass es in den kommenden Jahren zu einem Fachkräftemangel kommt. Mit dem Einbinden von Frauen in technische Berufe kann dem entgegengewirkt werden.“Der Girl’s Day will folglich bei den Mädchen Interesse für Berufe abseits der traditionellen Pfade wecken, Betriebe auf das Potenzial der Mädchen aufmerksam machen, die Attraktivität technischer und handwerklicher Berufe steigern und die Eltern bzw. die Öffentlichkeit dafür sensibilisieren, dass Mädchen in traditionell männlich dominierten Berufen sehr gut „bestehen“ können und immer stärker nachgefragt werden.